Pangoline sind urtümlich aussehende Säugetiere, die vor allem in Afrika und Teilen Asiens vorkommen. Der Körper dieser etwa hundegroßen Insektenfresser ist mit großen Hornschuppen bedeckt, die diesen Tieren den Beinamen Schuppentiere gaben. Alle acht Arten dieser Tiergruppe gelten als bedroht und sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. Das bedeutet, dass Jagd, Fang und Handel dieser Tiere verboten sind.
Das aber hält Wilderer und andere illegale Akteure nicht davon ab, die bedrohten Pangoline noch immer intensiv zu bejagen und ihre Überreste vor allem nach Asien zu verkaufen. Dort gelten Fleisch und Schuppen der Pangoline als besonders heilsam im Rahmen der traditionellen Chinesischen Medizin, in einigen Gegenden spielen die Schuppen auch eine Rolle bei bestimmten Ritualen. Als Folge gehören Pangolin-Schuppen und -Fleisch zu den am häufigsten illegal gehandelten Tierprodukten weltweit.
Schuppen von fast einer Million Pangolinen
Wie gravierend dieser illegale Handel ist, belegt nun eine Studie von Charles Emogor von der University of Cambridge und seinen Kollegen. Für ihre Untersuchung hatten die Forscher Daten von Razzien ausgewertet, bei denen der Zoll in Nigeria und in mehreren asiatischen Häfen geschmuggelte Pangolinschuppen oder andere Teile dieser Tiere sichergestellt hatten. Über Analysen der Funde und Frachtdokumente ermittelte das Team, woher die illegale Ware kam und um welche Pangolinarten es sich handelte. “Alle während des Transits beschlagnahmten Ladungen waren für Asien gedacht und die Menge dieser per Schiff geschmuggelten Ladungen hat sich stark erhöht”, berichten sie.
Konkret ergaben die Analysen: Allein die in Razzien zufällig entdeckte Schmuggelware umfasst 190.407 Kilogramm Pangolinschuppen. Diese stammen von knapp 800.000 einzelnen Schuppentieren, wahrscheinlich aber sogar knapp einer Million, wie die Wissenschaftler berichten. “Diese Zahlen legen nahe, dass das Ausmaß des Pangolin-Handels in Nigeria und Afrika als Ganzem bisher drastisch unterschätzt worden ist”, sagt Emogor. Und das wahre Ausmaß könnte noch weit höher sein: Experten schätzen, dass nur zwei bis 30 Prozent der illegal geschmuggelten Tierprodukte durch Razzien entdeckt werden. “Ganz offensichtlich reichen die Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Handels nicht aus”, so Emogor.
Nigeria als Zentrale des illegalen Handels
Die Studie deckt auch auf, auf welchen verschlungenen Wegen die geschmuggelten Pangolin-Produkte ihre asiatischen Ziele erreichen: Zwar wird ein Großteil von ihnen in Nigeria verladen oder durch das Land weitergeschleust, die illegale Fracht kommt aber auch aus anderen afrikanischen Ländern wie Gabun oder Kamerun. Seit etwa 2017, so schätzte das Team, bildet Nigeria dabei ein Zentrum des afrikanischen Pangolinhandels – obwohl auch dieses Land das Washingtoner Artenschutzabkommen unterzeichnet hat. 2019 gingen nahezu alle von Afrika aus nach Asien geschmuggelten Pangolin-Ladungen von nigerianischen Häfen aus. Ihr Ziel erreicht die Schmuggelware dabei zum Teil auch über europäische Häfen in Frankreich und Holland.





