Frittieröl, Kosmetik, Energieträger… Die goldene Substanz aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme eignet sich als Grundlage für die Herstellung vieler Produkte. Dies führte zu einem enormen Anbauboom: Palmölplantagen bedecken mittlerweile etwa 21 Millionen Hektar unseres Planeten. Vor allem in Südostasien wurden dazu riesige Waldflächen in Monokulturen verwandelt. Wo sich einst Orang-Utan und Co durch artenreiche Naturparadiese hangelten, wächst nun kaum noch etwas anderes als die ursprünglich aus Afrika stammende Palme. „Die meisten ökologischen Studien zu Palmöl beschränken sich auf die Feststellung des Verlusts an Biodiversität und der Verschlechterung der Ökosysteme. Unser Ansatz geht nun einen Schritt weiter“, sagt Seniorautor Holger Kreft von der Universität Göttingen.
Oasen in der Monokultur
Um auszuloten, inwieweit sich die negativen Auswirkungen auf die Umwelt durch eine ökologische Aufwertung abmildern lassen, haben er und seine internationalen Kollegen ein Langzeitprojekt ins Leben gerufen: Auf dem Gebiet einer 140 Hektar umfassenden Ölpalmenplantage auf der Insel Sumatra haben sie 52 Bauminseln mit einer mittleren Größe von 400 Quadratmetern gepflanzt. Insgesamt standen auf 2,4 Hektar des Versuchsgebiets diese Mischungen aus bis zu sechs lokalen Baumarten und einigen Ölpalmen. Außerdem konnte sich der Unterwuchs in den Bauminseln frei entwickeln.
Die Wissenschaftler analysierten über mehrere Jahre hinweg, wie die Bauminseln die Artenvielfalt von Insekten und anderen Wirbellosen sowie von Pflanzen, Vögeln und Fledermäusen beeinflussen. Außerdem untersuchten sie Boden-Mikroorganismen und die Auswirkungen der Bauminseln in Bezug auf Ökosystemleistungen, wie der Regulierung von Stoffkreisläufen und des Mikroklimas. Wie zu erwarten war, wirkten sich mehr dieser natürlichen Einheiten günstig auf die untersuchten Faktoren aus. Bauminseln führen demnach zu einer deutlichen ökologischen Aufwertung von Palmölplantagen, indem sie zu mehr Biodiversität und verbesserter Ökosystemleistung führen.
Ökologisch und ökonomisch günstig
Überraschend erschien hingegen der ökonomische Befund. Denn eigentlich hatten die Forscher erwartet, dass sich die Erträge verschlechtern würden, da die Bauminseln Ressourcen für ihre eigene Entwicklung auf Kosten der Ölpalmen verbraucht hätten. Unterm Strich kam es auf der gesamten Fläche jedoch nicht zu diesem Effekt, konnten die Forscher durch die Zusammenarbeit mit den Betreibern der Plantage ermitteln: Die Bauminseln erhöhten innerhalb von fünf Jahren die Artenvielfalt des landwirtschaftlichen Betriebs, ohne den Öl-Ertrag zu verringern. Offenbar konnten die Ölpalmen demnach von den günstigen Wirkungen der Bauminseln so weit profitieren, dass Verluste auf der Gesamtebene in der Plantage aufgewogen wurden.





