Im Zuge des Klimawandels werden die Ozeane wärmer. Immer häufiger kommt es auch zu marinen Hitzewellen. Infolgedessen bleichen Korallenriffe aus, weil die Korallen ihre Symbionten verlieren und absterben. So weit, so bekannt. Doch noch ein weiterer Nebeneffekt des Klimawandels macht den Korallen stark zu schaffen: die Versauerung der Meere. Weil wärmeres Wasser mehr CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt und dieses sich als Kohlensäure löst, sinkt mit der Erderwärmung der pH-Wert der Ozeane – sie werden weniger basisch. Gleichzeitig sinkt durch das gelöste CO2 der Gehalt an Calciumcarbonatverbindungen im Wasser, die als Korallen-Baustoff wichtig sind. Als Folge haben die Korallen weniger Calcium für den Aufbau und zur Reparatur ihres Skeletts zur Verfügung.
Zwei Riffe im Vergleich
Ein Team um Jamie Priest von der University of Adelaide hat nun untersucht, welche Folgen das für die Korallen selbst und andere Lebewesen hat, die in der Umgebung der Korallen wohnen. Dafür beobachteten und verglichen sie zwei Korallenriffe in Upa-Upasina in Papua-Neuguinea und die dort lebenden Riffbarsche. Das eine Riff liegt neben dem Schlot eines Unterwasservulkans, der stetig CO2 ausstößt und das ursprünglich leicht alkalische Wasser in seinem unmittelbaren Umfeld saurer macht (pH 7,77) – so wie es Prognosen zufolge im Zuge des Klimawandels künftig im ganzen Ozean passieren könnte. Das zweite Riff (pH 8,01) liegt 500 Meter entfernt und ist nicht durch die vulkanischen Gasemissionen beeinträchtigt. „Diese Riffe boten eine unglaubliche Gelegenheit, aktuelle und zukünftige Bedingungen direkt nebeneinander zu vergleichen, mit einer ganzen Reihe von ökologischen Wechselwirkungen“, sagt Seniorautor Ivan Nagelkerken von der University of Adelaide. Zum Vergleich beobachteten die Biologen auch das Fischverhalten in Aquarien.
Die Auswertung ergab, dass in saurerem Wasser nicht unbedingt weniger Korallen wachsen, diese jedoch wegen des Calciummangels glattere, weniger verzweigte Strukturen mit weniger Seitenarmen bilden. Die fünf Arten an Riffbarschen reagierten darauf unterschiedlich, unabhängig vom pH-Wert des Wassers, wie das Team feststellte. Zwei der Arten – Dascyllus aruanus (Dreibinden-Preußenfisch) und Pomacentrus moluccensis (Zitronen-Demoiselle) – siedelten sich fast ausschließlich in komplexen, verzweigten und lebenden Korallen der beiden Riffe an und mieden verarmte und tote Riffteile. Zwei andere Arten – Acanthochromis polyacanthus (Schwalbenschwanz-Riffbarsch) und Amblyglyphidodon curacao (Geweihkorallen-Riffbarsch) – waren weniger wählerisch, bevorzugten allerdings weniger verzweigte, aber lebende Korallen. Die fünfte Fischart – Pomacentrus adelus (Dunkler Riffbarsch) – zeigte sich vorwiegend im Geröll und den Trümmern der Riffe.





