Foraminiferen sind aufgrund ihrer langlebigen Schalen wichtige Leitfossilien für vergangene Erdzeitalter – doch auch in der Gegenwart sind sie ein bedeutender Teil des marinen Ökosystems. Einige dieser einzelligen Meeresbewohner können Algen oder Cyanobakterien als Symbionten in sich aufnehmen. Damit leisten sie sowohl in tiefen als auch in flachen Gewässern einen entscheidenden Beitrag zum marinen Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf.
Auswirkungen auf Symbionten getestet
Dieser wichtige Prozess könnte allerdings vor allem in küstennahen Gebieten und Flussdeltas beeinträchtigt werden, und zwar durch die Verschmutzung mit Rückständen von Sonnencremes. Die Folgen dieser Verunreinigung für die Foraminiferen haben nun Michael Lintner von der Universität Wien und seine Kollegen genauer unter die Lupe genommen. Das Forschungsteam konzentrierte sich auf die Foraminiferen-Art Heterostegina depressa, die zu den Großforaminiferen gehört und als Symbionten Kieselalgen beherbergt. Diese liefern ihrem Wirt wichtige Substanzen wie Zucker oder Glycerol und sind damit für ihre Stoffwechselaktivität unerlässlich. Die photosynthetische Leistung dieser Kieselalgen wird maßgeblich von physikalischen und chemischen Parametern und dadurch auch durch Umweltverschmutzung durch den Menschen beeinflusst.
“Im Detail analysierten wir mögliche Auswirkungen von auf dem Markt erhältlichen Sonnenschutzmitteln auf die Aktivität der Photosymbionten auf H. depressa mittels Fluoreszenzmikroskopie”, erklärt Lintner. Die Veränderungen in der photosynthetischen Aktivität der Kieselalgen können dabei mikroskopisch nachverfolgt werden. Das Forschungsteam wählte vier verschiedene Sonnenschutzmittel aus, von denen zwei als “konventionell” und zwei weitere als “umweltfreundlich” verkauft werden. Außerdem testeten sie die Wirkung von reinem Ensulizol, welches häufig als UV-Blocker in Sonnenschutzmitteln eingesetzt wird.
Schädigung der Kieselalgen auch durch “ökofreundliche” Sonnencreme
Die Ergebnisse zeigten, dass reines Ensulizol einen deutlichen Rückgang der photosynthetischen Aktivität der Kieselalgen bewirkt. Das gleiche beobachteten die Forschenden für die konventionellen Sonnenschutzmittel, wenn auch in weniger starker Ausprägung. Dass sich die herkömmlichen Sonnenschutzmittel negativ auf die Photosymbionten von Heterostegina depressa auswirken, liegt laut der Forschenden daran, dass sie ebenfalls Ensulizol enthalten. Schon länger ist bekannt, dass sich diese Substanz in Pflanzenzellen einlagert und so negativ auf die Zellmechanismen auswirkt. “Sogar geringste Konzentrationen inhibieren die Aktivität der Alge bereits stark. Die Konzentration von Ensulizol in der Sonnencreme ist niedriger als beim niedrigsten getesteten puren Ensulizol”, berichten Lintner und seine Kollegen.





