Ein malaysischer Bundesstaat will Palmöl nur noch nachhaltig produzieren. Davon profitieren nicht nur die bedrohten Orang-Utans, sondern auch die Bauern vor Ort. Eine Reise, die die Spur des Öls zurückverfolgt – vom Produkt bis zur Palme.
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Text: Michael Gleich, Fotos: Frank Schultze
Die Reise beginnt in Berlin. Im Supermarkt um die Ecke lade ich einen Einkaufswagen voll mit Produkten, die Palmöl enthalten. Margarine, Tiefkühlpizza, Kekse, Handcreme, eine quadratische Tafel Schokolade, Waschmittel, Deoroller, Müsli. Manchmal steht Palmfett in der klein gedruckten Zutatenliste. Bei den Kosmetika verbirgt sich der Rohstoff unter Bezeichnungen für weiterverarbeitete Produkte, etwa Glycerin. Sicher habe ich schon viele Hundert Male Palmöl konsumiert, ohne es zu wissen. Greenpeace schätzt, dass die Hälfte aller Supermarktprodukte Palm- oder Palmkernöl enthält.
Der weltweite Verbrauch steigt von Jahr zu Jahr, derzeit sind es rund 80 Millionen Tonnen. Mit verheerenden Folgen für die Natur: Allein in Malaysia, mit Indonesien eines der Hauptanbaugebiete, wurden für die Plantagen in den vergangenen 20 Jahren rund 30.000 Quadratkilometer Regenwälder gerodet – eine Fläche ungefähr so groß wie Belgien.
Dennoch empfiehlt keine der großen Umweltorganisationen einen Boykott. Der Grund: Alternative Pflanzenöle wie Kokos, Soja oder Sonnenblumen benötigen bis zu achtmal mehr Anbaufläche. Stattdessen fordern sie ein Verbot von Abholzungen und generell eine nachhaltige Produktion.
Vor 20 Jahren wurde der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) gegründet. Mitglieder sind Plantagenbesitzer, Händler, Hersteller und Nichtregierungsorganisationen, darunter auch große und kleine Umweltverbände. Wer das RSPO-Zertifikat erhalten will, verpflichtet sich zwar nicht, biologisch anzubauen, aber gewisse ökologische Standards einzuhalten: keine Wälder abzuholzen, keine Plantagen auf den für das Klima besonders wichtigen Torfböden anzulegen und keine hochgefährlichen chemischen Pflanzenschutzmittel einzusetzen.
Suche nach der grünen Palme
Auf den Produkten in meinem Einkaufswagen suche ich das RSPO-Siegel, die grüne Palme, vergeblich. Obwohl mittlerweile über 90 Prozent des in Europa verarbeiteten Palmöls zertifiziert sind. Ich vermute, dass die Hersteller das Siegel verstecken, weil Palmöl nach wie vor ein schlechtes Image hat. Ich beschließe, mir ein Produkt zu suchen, bei dem ich die Spur des Öls bis zur Palme zurückverfolgen kann. Am Ende wird es der Frühstückstraum meiner Kindertage, der beliebteste Schoko-Nuss-Aufstrich der Deutschen.
Denn alle anderen angefragten Hersteller und Händler lehnen ab, angeblich haben sie drei Monate lang keine Zeit für ein Interview. Ausgerechnet Ferrero sagt zu. Vor zehn Jahren hatte die französische Umweltministerin im Fernsehen gefordert: „Man muss aufhören, Nutella zu essen.“ Kurz darauf entschuldigte sie sich, denn selbst Greenpeace gab Entwarnung: Ferrero verwende zertifiziertes Palmöl, eine ökologische Verbesserung der Produktion sei sinnvoller als ein Boykott. Dennoch ist Ferrero seitdem immer wieder mit Shitstorms konfrontiert.
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In der deutschen Zentrale in Frankfurt am Main treffe ich Aldo Cristiano, im Konzern für Nachhaltigkeit und institutionelle Angelegenheiten zuständig. „Wir sind überzeugt, dass Palmöl ein gutes Öl ist, wenn es nachhaltig angebaut wird“, sagt er. Es habe einige gute Eigenschaften. Es ist bei Raumtemperatur fest und muss nicht gehärtet werden, wodurch sonst ungesunde Transfettsäuren entstehen könnten. Es verdirbt nicht so schnell. Und es hat keinen Eigengeschmack. Daher sei es in so vielen Supermarktprodukten zu finden. Ferrero beziehe ausschließlich zertifiziertes Öl, über 200.000 Tonnen pro Jahr.
Um sicherzustellen, dass für den Anbau kein Regenwald gerodet wird, arbeitet das Unternehmen mit der Earthworm Foundation zusammen. Per Satellit werden über das Starling-System alle Gebiete, aus denen Öl bezogen wird, auf Rodungen überwacht, mehr als eine Million Hektar. Wenn ausschließlich zertifiziertes Palmöl verwendet wird, warum finde ich dann aber keine grüne Palme auf dem Etikett? „Der Aufstrich besteht aus sieben Zutaten“, antwortet Cristiano. „Würden wir alle Nachhaltigkeits- und Zertifizierungssiegel aufdrucken, würde niemand mehr durchblicken.“
Einen Teil des Öls bezieht das Unternehmen aus dem malaysischen Bundesstaat Sabah. Er liegt im Nordosten Borneos, der drittgrößten Insel der Welt. Ihre artenreichen Regenwälder beherbergen bedrohte Spezies wie Orang-Utan und Gibbon, Malaienbär und Zwergelefant. Gleichzeitig erstrecken sich riesige Palmenplantagen auf der Insel. Ich beschließe, der Ölspur nach Sabah zu folgen.
Erste Eindrücke
Borneo von oben. Zwei Arten von Grün. Hier das chaotische Grün des Regenwaldes, durchzogen von milchteefarbenen Flüssen in weiten Mäandern. Dort das Einheitsgrün der Ölpalmen, die in Reih und Glied stehen, darin Vierecke wie ausgeschnitten, jedes mit fabrikartigen Gebäuden mit Schornstein, aus dem weißer Dampf aufsteigt: die Mühlen und Raffinerien. Beim Anflug auf die Stadt Sandakan fällt auf, dass die Palmen bis direkt ans Flugfeld gepflanzt wurden. Offenbar wird jeder Quadratmeter genutzt.
Sabah liegt auf der Insel Borneo und ist etwa so groß wie Bayern. 2015 sorgte der Bundesstaat weltweit für Aufsehen mit der Ankündigung, Palmöl künftig ausschließlich nachhaltig anzubauen; für Plantagen dürfe nicht mehr gerodet werden; ein Drittel aller übrigen Waldflächen werde unter strengen Naturschutz gestellt. Die Regierung startete eine Initiative, in der Behörden, Gemeinden, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten. Wenn Sabah seine Ziele erreicht, wäre es das erste Land, dem die Ölwende gelungen wäre. Doch das ist noch völlig offen – derzeit werden zwar etwa 27 Prozent der Landesfläche geschützt, jedoch nicht streng, sondern nominell. Und noch immer sind große Teile des Palmölanbaus nicht zertifiziert, und damit ist unbekannt, wie viel davon wirklich nachhaltig angebaut wird.
Der boomende Ökotourismus auf Borneo ist allerdings ein starker Anreiz, die Regenwälder zu erhalten. Sie bedecken noch 65 Prozent der Fläche von Sabah. „Wir müssen unseren wichtigsten Wettbewerbsvorteil bewahren: die Naturschätze“, sagt Gouverneur Juhar Mahiruddin.
Palmölriese
Treffen mit Bacho Jansie, inzwischen ehemaliger Generaldirektor des Palmölherstellers Sawit Kinabalu – Zulieferer von Ferrero und mit fast 70.000 Hektar einer der Branchenriesen. „Wenn wir nicht nachhaltig produzieren, hat diese Industrie keine Zukunft“, sagt Jansie. Die Konkurrenz in Indonesien habe Malaysia mengenmäßig längst überrundet. „Nur mit besserer, sprich: ökologischer Qualität, können wir uns einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.“ Er gibt zu, dass auch der Druck aus Europa wirkt, wo 2022 fortschrittliche Lieferkettengesetze verabschiedet wurden. „Wir wollen diesen wichtigen Absatzmarkt nicht verlieren.“ Derzeit seien Sawit Kinabalus Plantagen alle nach nationalen Standards als nachhaltig zertifiziert, die etwa 90 Prozent der europäischen Vorgaben erfüllen.
„Wir müssen auch über eine Zukunft nachdenken, in der Öl nicht mehr die einzige Einnahmequelle ist“, sagt Jansie. Das Unternehmen experimentiert damit, zwischen den Palmen Früchte und Gemüse anzubauen. Außerdem ist es in die Fleischproduktion eingestiegen: Insgesamt mehr als 15.000 Rinder grasen zwischen den Bäumen.
Sawit Kinabalu ist ein regierungsnahes Unternehmen, ein Teil seiner Erlöse fließt in die Staatskasse. Bacho Jansie sieht in dieser Konstellation einen Hebel für schnelleren Wandel in der Branche: „Wir können vorangehen und zeigen, dass wir ökologisch produzieren können – und gleichzeitig profitabel. Ich bin zuversichtlich, dass andere Unternehmen unserem Beispiel folgen werden.“
Direkt nach der Ernte in die Ölmühle
Auf der Plantage von Kim Loong Resources Berhad – ebenfalls Ferrero-Zulieferer – kann ich alle Arbeitsschritte beobachten. Das Blätterdach der Palmen schirmt die gnadenlos brennende Tropensonne ab. Die begehrten goldgelben bis orangefarbenen Ölfrüchte wachsen in großen Büscheln an den Verästelungen der Palmzweige. Die Ernte ist mühsam. Überall auf der Plantage sind Arbeiter damit beschäftigt, die bis zu 30 Kilogramm schweren Fruchtbündel mit langen Stangen, an denen vorn eine scharfe Sichel befestigt ist, abzusägen. Mit angespitzten Eisenstangen werden sie aufgespießt, auf kleine Lastwagen gehievt und zur Mühle gefahren.
Der Manager Lee Kim Seng führt persönlich durch die Mühle. Überall dampft und zischt es. Bei hohen Temperaturen werden die Früchte aus den Bündeln gelöst, desinfiziert, entkernt und schließlich gepresst. Es duftet nach frisch gebackenem Brot. Auch aus Fruchtbündeln und Kernen wird Öl gewonnen; kein Tropfen darf verschwendet werden. In einem letzten Schritt wird das Öl durch die Filter der Raffinerie geleitet. Seng öffnet einen Hahn. Goldgelb und dickflüssig rinnt das Öl heraus. Seng sagt: „Ich bin stolz darauf, dass wir RSPO-zertifiziert sind. Das gibt mir das Gefühl, ein sinnvolles Produkt herzustellen.“ Eine Biogasanlage, in der mit Abfallstoffen Strom erzeugt wird, gehört ebenso zum ökologischen Konzept wie die Verarbeitung der festen Reststoffe zu Dünger, der wieder auf die Plantage kommt.
Auf fünf Hektar experimentiert das Unternehmen erstmals mit biologischem Anbau ohne Kunstdünger und Pestizide. Doch in den Tropen wächst alles schnell, auch Gras und Unkraut, das manuell entfernt wird. Die Frage sei nicht nur, ob sich das lohne, so Seng, sondern auch, „ob wir die zeitlichen Kapazitäten haben“. Wie die meisten Plantagen auf Borneo hat auch Kim Loong – trotz guten Lohns – große Probleme, genügend Arbeitskräfte anzuwerben und zu halten. Das Leben auf den riesigen Plantagen fernab der Städte erscheint zunehmend unattraktiv.
Schwerstarbeit auf der Farm
Doch bislang ist nur rund ein Fünftel der Weltproduktion RSPO-zertifiziert. Das liegt unter anderem daran, dass ein Großteil des Öls von Kleinbauern produziert wird. In Malaysia stammen etwa 40 Prozent des Palmöls von solchen Kleinbauern. Für sie ist es schwierig, das RSPO-Siegel zu bekommen. Denn dafür müssten sie ihr Land vermessen lassen, akribisch über die Verwendung von Chemikalien Buch führen, die jährlichen Kontrollen durch unabhängige Auditoren bezahlen. Eine Möglichkeit ist, dass sich Farmer zu Kooperativen zusammenschließen und die Zertifizierung gemeinsam organisieren. Wild Asia, ein malaysisches Sozialunternehmen, geht noch einen Schritt weiter. Seine Erlöse werden unter den mehr als 2.000 Farmern aufgeteilt oder in die Weiterentwicklung von Anbaumethoden investiert. Ein Viertel von ihnen wirtschaftet bereits biologisch.
Ein Kleinbiobauer, der sich mit Wild Asia zusammengetan hat, hat mich eingeladen, ihn auf seiner Farm zu besuchen. Herkules ist bei der Arbeit. Mit der Sichel, die an einer langen Teleskopstange befestigt ist, schneidet er zuerst Palmwedel von den zwölf Meter hohen Stämmen, um die Fruchtbündel freizulegen. Dann sägt er sie minutenlang herunter. Bei 35 Grad Celsius eine schweißtreibende Knochenarbeit. Herkules ist Anfang 30, einen Kopf kleiner als ich, und heißt eigentlich Sabri Binalis. Seinen Spitznamen verdankt er seinem muskulösen Körperbau. Seiner Familie gehört die Farm. Binalis öffnet den Deckel einer großen blauen Tonne. Fischgeruch entweicht. „Wir stellen unseren Dünger selbst her. Dazu brauche ich nur Fischabfälle, Melasse und Regenwasser“, erklärt er.
Warum er die Farm auf bio umgestellt hat? Eine einfache Rechnung: „Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel werden immer teurer. Wenn wir unseren eigenen Dünger verwenden, verdienen wir mehr.“ Als Teil des ganzheitlichen Konzepts pflanzt er Ingwer zwischen die Baumreihen, seine Mutter verdient mit der Zucht von Austernpilzen dazu. Auch die Natur profitiert: „Früher sah ich viele gelbe Blätter an den Palmen. Heute sind sie grün. Im Boden finden wir viel mehr Regenwürmer. Es leben mehr Eichhörnchen, Fledermäuse und Fischotter auf der Farm. Das sind gute Zeichen.“
Biodiversität stärken
Borneo ist zwar immer noch ein sogenannter Hotspot der Biodiversität. Doch die Bestände seltener Tierarten haben unter den Regenwaldrodungen der letzten Jahrzehnte stark gelitten. Die Population der Orang-Utans ist um zwei Drittel geschrumpft. Manche Reservate, die ursprünglich zusammenhingen, werden nun durch riesige Monokulturen voneinander getrennt. Wenn die Menschenaffen nicht wandern können, droht Inzucht – und langfristig das Aussterben. Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat die Gefahr erkannt und begonnen, in drei Regionen von Sabah große Wildtierkorridore anzulegen.
Der Ökologe und Agrarwissenschaftler Faisal Mohd Noor leitet als Projektleiter beim WWF die Natur-Reparatur. Er führt mich auf den Mount Wullersdorf zu einem neuen Projekt. Nur wenige der Urwaldriesen, die hier einmal dicht an dicht gestanden haben, sind übrig geblieben. Schlingpflanzen und Dornen überwuchern jeden Strauch. Dazwischen Ölpalmen, illegal angepflanzt von Bewohnern benachbarter Dörfer. Ein 150 Hektar großer Streifen soll aufgeforstet werden, um zwei Schutzgebiete wieder miteinander zu verbinden. Ein mühsames und teures Unterfangen. „Es reicht nicht, Bäume zu pflanzen“, sagt Noor. „Damit daraus ein Wald wird, müssen wir die Flächen drei bis fünf Jahre pflegen.“ Sonst würden schnell wachsende Ranken die Setzlinge überwuchern und ersticken.
Renaturierung
Große Unternehmen wie Sawit Kinabalu stellen Land dafür zur Verfügung, das Geld für Anpflanzungen und Pflege kommt aus Europa. Als prominente Botschafter der Projekte werden die Orang-Utans eingesetzt. Doch nicht nur für sie sollen sichere Wanderrouten entstehen. Auch seltene Arten wie Malaienbär, Sunda-Nebelparder und Borneo-Elefant profitieren. Wird hier wieder ein echter Urwald wachsen? Nein, sagt Agrarwissenschaftler Noor: „Der Regenwald hat Jahrmillionen gebraucht, um so artenreich zu werden, wie wir ihn heute kennen. Das lässt sich nicht in ein paar Jahrzehnten wiederherstellen. Aber wir können einiges tun, damit sich die Natur regenerieren kann.“
Die neue Naturschutzpolitik der Regierung von Sabah gibt ihm Rückenwind. Allerdings rechnet er damit, dass deren Ziele – 100 Prozent zertifiziertes Palmöl, 30 Prozent Landesfläche unter strengem Schutz – erst in 10 bis 15 Jahren erreicht werden. Genauso lange dauert es, bis die ökologischen Korridore voll funktionieren. Kommen die Tiere tatsächlich zurück? Faisal Noor, der in Braunschweig studiert hat, sagt zum Abschied auf Deutsch: „Geh nach Bukit Piton und überzeuge dich selbst.
Grüne Brücken schlagen
Den Wald von Bukit Piton hat der WWF ab 2008 aufgeforstet. Als grüne Brücke zwischen zwei Reservaten wurden auf über 2.000 Hektar Hunderttausende Bäume gepflanzt, vor allem schnell wachsende Larans. Ökologe Noor nennt sie Wunderbäume. Sie sind bei den Orang-Utans beliebt, weil sie in luftiger Höhe waagerechte Äste ausbilden. Daraus lassen sich leicht Schlafnester zurechtbiegen. Jede Nacht bauen die Affen ein neues. Und zum Frühstück hängen die gelborangen Laran-Früchte nur eine Armlänge entfernt.
Ich stehe hinten auf der Ladefläche des Pick-ups, klammere mich beim Rodeo-Ritt über die Schlaglochpiste an den Haltebügel und spähe in Richtung Kronendach. Wir beobachten Langnasenaffen, die mit weiten Sprüngen von Wipfel zu Wipfel hüpfen, die Älteren voraus, die Jungen ahmen ihre Sprungtechnik nach. Kotballen auf dem Weg zeugen davon, dass hier letzte Nacht Zwergelefanten vorbeigezogen sind.
Endlich, der Nacken ist steif vom Starren nach oben, wird unsere Geduld belohnt. Ein Orang-Utan-Männchen. Orang-Utan heißt auf Malaysisch Waldmensch. Es sitzt in etwa 20 Meter Höhe, pflückt Früchte und kaut sie genüsslich. Dann passiert etwas, das ich nie vergessen werde. Plötzlich rutscht der Affe den glatten Stamm hinunter, kommt immer näher, bis er auf vier Meter Höhe innehält und uns – so meine Interpretation – neugierig betrachtet.
Nachhaltige Lieferketten
Zurück in Berlin, bitte ich Noors Kollegin Ilka Petersen, WWF-Referentin für nachhaltige Landnutzung, um eine Einordnung. Aus Indonesien und vom malaysischen Festland kommen nach wie vor Meldungen über die Umwandlung von Urwald in Plantagen. Ebenso aus Westafrika, wo die Ölpalme ursprünglich herkommt. Schokolade und Menschenaffen – können wir beides haben? „Der RSPO ist nur ein erster Schritt zu sauberen Lieferketten. Er kann die Entwaldung nicht stoppen, schon allein, weil es ein freiwilliges Zertifikat ist.“ 2023 verabschiedete das Europäische Parlament eine Richtlinie, nach der nur noch Produkte in die EU eingeführt werden dürfen, die ohne Abholzung hergestellt wurden.
Der WWF bezeichnete diese Regelung als „weitsichtig“ und hofft, dass andere Länder weltweit nachziehen. Bioplantagen als Ölfelder mit Affenparadiesen als Nachbarn: So könnte die Vision lauten. //
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