Bohrgenehmigung ohne Rücksicht auf den Artenschutz
“Die Genehmigungen für die Ölbohrungen wurden erteilt, ohne dass es zuvor zuverlässige wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen auf die maritime Umwelt gegeben hat”, kritisierte Barbara Maas, Leiterin Internationaler Artenschutz der NABU International Naturschutzstiftung. “Es ist ein Armutszeugnis der neuseeländischen Regierung, dass sie die Bohrungen gegen den Rat von Wissenschaftlern und den Willen der Bevölkerung erlaubt und aus Profitgier die Vernichtung der in Neuseeland endemischen Maui-Delfine riskiert”, so Maas.
Die Gefahr für die Maui-Delfine zeigt sich im jüngsten Zwischenfall: Am 20. Februar 2015 begann der Förderschlauch eines schwimmenden Öllagers zu lecken, das vom Ölkonzern OMV betrieben wird. Der Konzern, der auch Tankstellen in Deutschland betreibt, erhielt erst vor Kurzem die Genehmigung für sieben weitere Bohrlöcher. “Es ist bereits der dritte von OMV verursachte Ölunfall in diesem Gebiet in nur fünf Jahren. Die Vorfälle zeigen die Gefahren auf, die von der Ölsuche und Ölförderung ausgehen”, sagte Thomas Tennhardt, Vorsitzender der NABU International Naturschutzstiftung.
Knapp einer Ölpest entgangen
Beim jüngsten Unfall wurden nach Aussagen von OMV etwa 300 Liter Rohöl freigesetzt, die sich innerhalb von drei Tagen auf eine Größe von zehn Kilometern ausbreiteten. Nur 30 Kilometer entfernt beginnt der Lebensraum der Maui-Delfine. Wäre mehr Öl ausgelaufen, dann hätte dies das Ende für die seltene Art bedeuten können. Denn Ölverschmutzungen schädigen Meeressäuger massiv. Die Tiere verschlucken das Öl, nehmen es über die Haut und die Augen auf und atmen die giftigen Gase ein. Dies führt zu einer ganzen Reihe von Gesundheitsproblemen wie Lungenerkrankungen und Gewichtsverlust bis hin zum Tod.
“Wir fordern daher, die Ölförderung in sensiblen Meeresgewässern konsequent zu verbieten”, so Tennhardt. Zudem gefährdet das Öl in diesem Gebiet auch vom Aussterben bedrohte Blauwale sowie seltene endemische Albatrosse und Sturmvögel.
Lärmbelastung durch Exploration
Akute Todesfälle durch Ölverschmutzung sind jedoch nicht die einzige Bedrohung für die Maui-Delfine. Auf der Suche nach verborgenen Öl- oder Gasfeldern werden unweit ihres Lebensraums auch seismische Untersuchungen durchgeführt. Dazu geben Schallkanonen wochen- oder monatelang rund um die Uhr im Sekundentakt starke Schallwellen ab, die mit einer Lautstärke von bis zu 256 Dezibel Richtung Meeresboden geschickt werden, um deren Echo auszuwerten.
Der ohrenbetäubende Lärm verletzt besonders die geräuschempfindlichen Wale und Delfine und vertreibt sie mitunter aus für sie lebenswichtigen Lebensräumen. “Selbst in der Zeit der Paarung und Jungenaufzucht führen die internationalen Konzerne derartige Untersuchungen in den einzigartigen Gewässern Neuseelands durch”, kritisierte Maas.





