Die dauerhaft gefrorenen Böden der arktischen Permafrostgebiete prägen fast die gesamte Arktis. Diese teils mehrere hundert Meter dicken Schichten tauen selbst im Sommer nur oberflächlich auf und galten daher lange Zeit als langfristig stabil. In der Arktis bildet der Permafrostboden daher das Fundament für Häuser, Straßen, Eisenbahnstrecken oder industrielle Infrastruktur, er wurde aber auch jahrzehntelang als Müllkippe für Abfälle aller Art genutzt. Die Spanne reicht von schwermetallhaltigen Bergbauabfällen über giftige Bohrschlämme bis hin zu radioaktivem Müll, die sorglos und meist ohne gesonderte Sicherheitsvorkehrungen im Untergrund vergraben wurden. „Industrieabfälle aus stillgelegten oder noch arbeitenden Anlagen hat man daher in der Regel einfach vor Ort gelassen, statt sie mit viel Aufwand und entsprechenden Kosten zu beseitigen“, erklärt Projektleiter Moritz Langer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Denn die Schichten aus Eis und gefrorenem Boden galten als weitgehend unüberwindbare Barriere für feste und flüssige Schadstoffe.
Wie viele Permafrost-Deponien gibt es?
Doch durch den Klimawandel ändert sich das Bild. Die Arktis erwärmt sich zwei- bis viermal so schnell wie im globalen Mittel und in vielen Permafrostgebieten beginnt der Untergrund bis in große Tsiefen zu tauen. Weil dabei die Eisschichten als erstes schmelzen, wird der Untergrund vielerorts instabil, es kommt zu Rutschungen, Einsackungen und Senkungen des Bodens. Mit dem Schmelzwasser werden zudem die jahrzehntelang im Eis eingeschlossenen Schadstoffe mobilisiert und können sich im Boden und in Gewässern ausbreiten. Sollte dies in größerem Maßstab geschehen, könnten die Folgen für Umwelt, Ökosysteme und auch die menschlichen Bewohner der Arktis verheerend sein – zumal oft gar nicht bekannt ist, was wo im Untergrund lagert.
Erst 2023 unternahm ein Team um Langer den Versuch, die versteckten Deponien und Altlasten in der Arktis systematisch zu erfassen. Detaillierte Informationen und Datenbanken dazu gibt es jedoch nur für Nordamerika, für Sibirien hingegen konnten die Forschenden Menge, Standorte und Ausmaß nur schätzen. Ihren hochgerechneten Ergebnissen zufolge gibt es in den arktischen Permafrostgebieten insgesamt rund 4.500 Industriestandorte und bis zu 20.000 kontaminierte Flächen. Wie Langer und sein Team ermittelten, liegen rund 3.500 bis 5.200 der Altlasten-Standorte in Regionen, in denen der Permafrost noch vor Ende dieses Jahrhunderts tauen wird. Damit steigt die Gefahr, dass die Umweltgifte freigesetzt werden.





