Der Mensch hat die Landschaften der Erde im Laufe der Zeit drastisch verändert: Aus Wildnis wurde Ackerland, aus Regenwäldern Ölpalmen-Plantagen und immer mehr Flächen sind durch menschliche Bauten geprägt. Diese Veränderung der Landnutzung trägt zur Verarmung der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren bei – an manchen Standorten sogar stärker als der Klimawandel. Deshalb gelten Wildnisgebiete, die vom Menschen nahezu unberührt sind, als Priorität für den Erhalt und Schutz der Biodiversität und sollen künftig stärker gesichert werden.
Wie viele unberührte Gebiete gibt es noch?
Doch wie groß ist weltweit der Anteil an Wildnisgebieten, die noch intakte Lebensräume darstellen? Der Frage sind nun Forscher um Andrew Plumptre von der Cambridge University auf den Grund gegangen. „Wir wissen, dass intakte Habitate zunehmend verloren gehen, gleichzeitig ist der Wert von intaktem Lebensraum sowohl für die biologische Vielfalt als auch für den Menschen nachgewiesen”, so Plumptre. Frühere Untersuchungen dazu bezogen sich jedoch nur darauf, welche Landflächen frei von größeren menschlichen Störungen wie Siedlungen, Straßen und Licht- sowie Lärmbelästigung sind und ergaben, dass bis zu 40 Prozent der terrestrischen Oberfläche in dieser Hinsicht noch intakt sind.
In ihrer Studie wählten Plumptre und seine Kollegen jedoch einen erweiterten Ansatz: Statt sich nur auf menschliche Einflüsse zu konzentrieren, suchten sie nach sogenannten „Key Biodiversity Areas“ (KBA). Dabei handelt es sich um Regionen, die nach standardisierten Kriterien als essenziell wichtig für den Erhalt und Schutz von Tier- und Pflanzenarten gelten. Dies können zum Beispiel Brutplätze, wichtige Rast- und Überwinterungsgebiete und Areale, die zur Nahrungssuche dienen, sein. Das Forscherteam prüfte diese Regionen dabei nach dem sogenannten Kriterium C. Dieses besagt, dass in einer intakten ökologischen Gemeinschaft alle dort bekannten Arten in ihrer natürlichen Häufigkeit vorkommen, es also keinen Verlust von Tieren in diesem Gebiet gibt. Zusätzlich bewerteten die Wissenschaftler auch die funktionale Unversehrtheit der Regionen und damit, ob Einbußen bei Arten bereits die gesunde Funktion dieser Ökosysteme beeinträchtigt.
Als Vergleichsgröße des Tiervorkommens wählten die Forscher das Jahr 1500 nach Christus, da es das Basisdatum für die Bewertung des Artensterbens in der Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN ist. Anhand ihrer Untersuchungen definierten Plumptre und sein Team dann den Anteil der Gebiete, die heute unter das Key Biodiversity Area-Kriterium C fallen.





