Der Mensch hat die Natur unseres Planeten drastisch verändert – es gibt kaum noch Landstriche, die nicht die Spuren unserer Präsenz zeigen. Das jedoch hat Folgen für die Artenvielfalt, wie erst im Mai 2019 ein Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) unterstrich. Demnach sind derzeit rund eine Million Tier- und Pflanzenarten akut vom Aussterben bedroht – mehr als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Im Jahr 2017 sorgten deutsche Biologen für Aufsehen, als sie einen drastischen Rückgang der Insekten in Deutschland feststellten – die Biomasse fliegender Insekten hat demnach in den letzten 27 Jahren um drei Viertel abgenommen. Und auch bei den einst so häufigen Feldvögeln zeigt sich ein alarmierender Rückgang: Seit 1980 ist in Europa mehr als die Hälfte der Feldvögel verschwunden, wie Anfang dieses Jahres eine Studie aufzeigte.
Knapp drei Milliarden Vögel weniger
Eine weitere Hiobsbotschaft überbringen nun Kenneth Rosenberg von der Cornell University in Ithaca und seine Kollegen. Sie hatten untersucht, wie sich die Populationen von 529 Vogelarten in Nordamerika seit 1970 verändert haben. Dafür werteten sie Zählungen und Beobachtungsstudien der letzten 48 Jahre aus nahezu allen Regionen der USA und Kanadas aus. Zusätzlich nutzten sie Daten eines Netzwerks von 143 Radarstationen, um die Veränderungen in der Dichte und Menge der Zugvogelschwärme von 2007 bis 2017 zu ermitteln.
Das Ergebnis ist erschreckend: Seit 1970 hat die Zahl der Vögel in Nordamerika um 29 Prozent abgenommen. Ähnlich deutliche Rückgänge zeigen sich beim Vogelzug: Die Dichte und Größe der nächtlichen Schwärme hat in den zehn Jahren seit 2007 um knapp 14 Prozent abgenommen. “Unsere Studie dokumentiert damit eine schon länger anhaltende aber bisher übersehene Biodiversitätskrise in Nordamerika – den Verlust von fast drei Milliarden Vögeln verteilt über nahezu die gesamte Avifauna”, konstatieren Rosenberg und seine Kollegen. Besonders drastisch sind ihrer Analyse nach die Rückgänge bei den Feld- und Wiesenvögeln: Ihre Bestände haben sich seit 1970 halbiert, wie Rosenberg und sein Team berichten. Aber auch die Zahl der Waldvögel ist um mehr als eine Million Tiere zurückgegangen. “Wasservögel und Vögel der Feuchtgebiete repräsentieren das einzige Biom, in dem die Vogelzahl insgesamt zugenommen hat”, so die Forscher. Allerdings reicht dies bei weitem nicht aus, um die Verluste in anderen Lebensräumen wettzumachen.





