Zwei Forscherteams haben in den Bergen Tansanias unabhängig voneinander eine bislang unbekannte Primatenart aufgespürt. Die scheue Neuentdeckung, genannt Hochland-Mangabe oder Lophocebus kipunji, lebt auf Bäumen und zeichnet sich durch sehr laute Rufe und ein ungewöhnlich helles Fell aus. Mit weniger als 1.000 entdeckten Exemplaren scheint die neue Art jedoch bereits vom Aussterben bedroht zu sein.
Experten kannten aus der Gattung Lophocebus, deren nächste Verwandte die Paviane sind, bisher nur zwei Arten. Lophocebus kipunji stellt nun die dritte Art dar und ist seit über 20 Jahren die erste neu entdeckte Affenart in Afrika. Erste Gerüchte über die scheuen Tiere stammten von Einheimischen, die ihnen den Namen Kipunji gegeben hatten. Die zwei Fundorte liegen rund 350 Kilometer voneinander entfernt auf dem Mount Rungwe in den Südlichen Highlands Tansanias und in Ndundulu in den Udzungwa-Bergen.
Die schüchternen Baumbewohner sind etwa 90 Zentimeter groß und tragen ein überwiegend braunes, langes Fell, welches am Bauch und Schwanz cremefarben getönt ist. Die dichte Behaarung schützt die Tiere offenbar vor der Kälte ihrer extremen Wohnhöhe von über 2.000 Metern. Besondere Kennzeichen sind ein langes Haarbüschel auf ihrem Kopf und ein verlängerter Backenbart. Ihren lauten und tiefen Ruf vergleichen die Wissenschaftler mit einem Hornsignal. Ungewöhnlich sind auch ihre Augenlider, die eine ähnliche dunkle Färbung aufweisen wie das Gesicht ? ein typisches Kennzeichen für die Gattung Lophocebus, schreiben die Forscher.
Die Neuentdeckung zeige, wie viel es noch über die abgeschieden gelegenen Gegenden Tansanias und ganz Afrikas zu lernen gibt, erklärt Davenport. Wichtig ist die Entdeckung vor allem im Hinblick auf die Vielfalt und Evolution der Primaten sowie ihre geographische Ausbreitung. Allerdings ist Eile geboten, um die gefährdeten Mangaben zu schützen, betonen die Wissenschaftler. Ihrer Ansicht nach sollte der Nationalpark der Udzungwa-Berge räumlich ausgedehnt werden, da er wohl der wichtigste Ort Afrikas für die Erhaltung der Primatenvielfalt ist.
Tim Davenport (Wildlife Conservation Society, Mbeya, Tansania) et al., Carolyn Ehardt (University of Georgia, Athens) et al.: Science (Bd. 308, S. 1161)
ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Offermann





