Aktuelle Forschungsergebnisse aus den USA lassen vermuten, dass Nikotin nicht nur süchtig macht, sondern auch Krebs verursachen kann. Bisher galten nur die sogenannten Nitrosamine im Tabakrauch als tumorerzeugend. Die Erkenntnisse stellen möglicherweise den Einsatz von Nikotinpflastern oder Nikotinkaugummi in Frage. Auch sind Nikotingaben derzeit als mögliche Therapie bei Alzheimer oder anderen Krankheiten im Gespräch.
“Unsere Forschung liefert wissenschaftliche Beweise, dass Nikotinprodukte für den Langzeiteinsatz möglicherweise nicht sicher sind”, erklärt Stephen Hecht vom Krebszentrum der University of Minnesota. Sein Team hatte die Wirkung einer so genannten “sichereren Zigarette” untersucht, die in den USA auf dem Markt ist und keine krebserregenden Nitrosamine mehr enthält. Die Labortests ergaben jedoch, dass das Nikotin unter bestimmten Bedingungen im Körper zu Nitrosamin-Ketonen (NKK) umgewandelt wird. Diese sind als gefährliche Lungen-Karzinogene bekannt. Zwar finden diese Umwandlungen meist in der Leber statt, von wo aus NKKs kaum in die Lunge geraten. Allerdings entwickelten Mäuse, die NKKs übers Trinkwasser oder als Injektion ins Blut erhalten hatten, trotzdem Lungentumore.
Hecht warnt allerdings vor unverhältnismäßiger Panikmache. Noch seien diese Untersuchungen in einem frühen Stadium und es seien weitere Studien nötig, um das Ausmaß der Nikotinumwandlung im Körper besser beurteilen zu können. Sein Team entdeckte jedoch weitere Hinweise auf die Krebs erzeugende Wirkung von Nikotin: Im Urin von Rauchern, die mit Hilfe von Nikotin einen Entzug machten, fanden die Forscher eine Substanz namens Pseudooxynikotin. In saurer Umgebung kann sie mit Natriumnitrit reagieren, das der Körper etwa bei Infektionen oder Entzündungen freisetzt. Aus der Reaktion entstehen NKKs, so der Bericht im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences. (NewScientist)
Dörte Saße





