Im Zuge der Erderwärmung verdunstet mehr Wasser und es fällt insgesamt weniger Regen. Die Folge sind immer häufigere, länger anhaltende und intensivere Dürren. Dadurch wird für uns Menschen das Wasser zeitweise knapp: Es kommt zu Wasserstress und Konflikten zwischen der Nutzung für Trinkwasser, Landwirtschaft, Tourismus und Industrie. In Europa betrifft das jährlich rund 20 Prozent der Landfläche und rund 30 Prozent der Bevölkerung, vor allem im Süden. Sichtbar ist dies unter anderem an ausgedörrten Feldern und Wiesen, aber auch an ausgetrockneten Seen und niedrigen Pegelständen von Flüssen wie dem Po in Italien. Doch welche Konsequenzen hat das für die Meere aus, die sonst von diesen Flüssen gespeist werden?
Weniger Flusswasser, weniger Meerstiere
Das hat ein Team um Diego Macias vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission nun anhand des Mittelmeers untersucht. Die Forschenden analysierten, wie sich die sinkenden Wassermengen in europäischen Flüssen auf die Lebewesen und ihre Ökosysteme im Mittelmeer im schlimmsten Fall auswirken könnten. Dabei legten sie ein extremes Modell zur künftigen Entwicklung des Klimas zugrunde, in dem wir nichts weiter gegen den Klimawandel unternehmen und die Erde sich um vier Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt (RCP 8.5).

Das Mittelmeer würde unter diesen Umständen 41 Prozent weniger Frischwasser aus Flüssen erhalten als jetzt, wie die Auswertung ergab. Dadurch würden auch weniger Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor ins Meer gelangen. Das könnte zunächst die Lebewesen und Ökosysteme an den Küsten beeinträchtigen, über die Nahrungsketten in der Folge aber auch andere Meeresbewohner fernab der Flussmündungen. Letztlich gäbe es etwa sechs Prozent weniger Fische und Meeresfrüchte im Mittelmeer; in besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen wie der Adria und der Ägäis könnten es sogar 35 Prozent weniger sein, wie Macias und seine Kollegen ermittelten.
„Unter den Fischen scheinen der pelagische Rote Thun (-20 Prozent) und die Makrele (-13 Prozent), gefolgt vom demersalen Hechtdorsch (minus acht Prozent), die am stärksten betroffenen Arten zu sein. Bei den Wirbellosen wiesen die Blaue und Rote Garnele sowie die Rote Riesengarnele den höchsten Biomasserückgang auf (-14 Prozent)“, schreibt das Team. Das wiederum würde den Fischern Einkommensdefizite bringen und hätte sozioökonomische Konsequenzen insbesondere in vom Fischfang lebenden Küstenorten in der Adria und Ägäis. Über das gesamte Mittelmeer hinweg könnten die Fischer dadurch jährlich 4,7 Milliarden Euro weniger verdienen.





