Alternative Fakten, Fake News, postfaktisches Zeitalter – hat jede Information ihren Wert verloren? Ortwin Renn analysiert die Entwicklungen der letzten Jahre mit dem unaufgeregten Blick eines Wissenschaftlers. Seine nüchternen Ausführungen treffen genau den richtige Ton, um den Wirbelsturm der Nachrichten mit etwas Abstand zu betrachten. Renn erklärt, wie Wissen als solches definiert wird, warum immer eine gewisse Restunsicherheit bleibt, es aber dennoch Fakten gibt. Wie nehmen wir Wissen auf, wie verstehen wir Dinge und wie kann uns dabei die eigene Wahrnehmung in die Falle locken? Wie beeinflussen Kommunikation, Medien und die virtuelle Welt diese Prozesse? Bei all diesen Fragen stellt Renn einen Bezug zu konkretem, aktuellem Geschehen her: Klimawandel, Flüchtlingskrise, Stuttgart 21 sind nur einige Beispiele. Entsprechend bleibt der Risikoforscher Renn nicht bei Analysen des Ist-Zustands, sondern schöpft aus seiner Erfahrung in der Politikberatung und leitet konstruktive Vorschläge ab – auch im Kleinen für jede und jeden persönlich. Eine Abneigung gegen Fachwörter und einen erklärenden Schreibstil sollte man nicht haben, um Renns Text genießen zu können. Meist schafft er es aber, auch komplizierte erkenntnistheoretische Überlegungen anschaulich zu erklären. Die Lektüre lohnt sich. Es ist ein erhellendes, ein wichtiges Buch.
Ortwin Renn
Zeit der Verunsicherung
Rowohlt, 264 Seiten, 3,99 € (nur als E-Book erhältlich)





