Auch Menschen, die sich aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit regelmäßig körperlich betätigen, sind nicht automatisch besser vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Arteriosklerose geschützt als ihre überwiegend im Sitzen arbeitenden Kollegen. Zu diesem überraschenden Ergebnis kamen Wissenschaftler der University of Southern California, als sie städtische Bedienstete der Stadt Los Angeles über einen Zeitraum von drei Jahren beobachteten.
Ursache für dieses Phänomen sei das Zusammenwirken von körperlicher Anstrengung und Stress, das die positiven Effekte der physischen Arbeit sogar umkehren kann, erläutert der Leiter der Studie, James H. Dwyer. Für die Studie, die er vor der Amerikanischen Heart Association vorstellte, wählten die Wissenschaftler 447 städtische Bedienstete zwischen 40 und 60 Jahren mit verschiedenen Tätigkeitsprofilen wie Handwerker, Manager und Büroangestellte, aus. Mit nicht-invasiven Ultraschalluntersuchungen ermittelten sie regelmäßig die Gefäßdicke der Halsschlagadern im Verlauf von drei Jahren. Dieser Wert lässt Schlüsse auf die Gefäßablagerungen in den größeren Arterien und im Herzen zu.
Bei 20 Prozent der körperlich aktivsten Arbeiter wurde eine Zunahme von im Durchschnitt 13 Mikrometern pro Jahr gemessen. Diese Arbeiter berichteten auch über den intensivsten Stress in Verbindung mit ihrer beruflichen Tätigkeit. Bei den Mitarbeitern, die nur wenig körperliche Betätigung in der Ausübung ihres Berufs hatten, wurde ein Zuwachs von 7 Mikrometern pro Jahr gemessen. Mitarbeiter, die wenig körperliche Betätigung an der Arbeit hatten, aber begeisterte Freizeitsportler waren, erreichten Werte von durchschnittlich 6,5 Mikrometern pro Jahr. Bei Mitarbeitern, die sich weder während ihrer Arbeitszeit noch in ihrer Freizeit körperlich betätigten, wurde eine Zunahme von 11 Mikrometern pro Jahr gemessen.
Auch wenn Stress von den Betroffenen individuell erlebt wird und es schwierig ist, die Auswirkungen von Stress und körperlicher Arbeit zu trennen, so lassen die Resultate doch allgemeine Schlüsse zu. Nach Dwyers Einschätzung kann Gefäßerkrankungen neben anderen prophylaktischen Maßnahmen wie gesunder Ernährung und Gewichtskontrolle sinnvoll vorgebeugt werden, wenn Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren sich mindestens viermal wöchentlich intensiv körperlich betätigten.
Marion Herzog





