Schlangen haben sich im Laufe der Evolution als enorm anpassungsfähig erwiesen. Die Reptilien kommen heute in so unterschiedlichen Lebensräumen wie heißen Wüsten, dichten Urwäldern und im Meer vor. Sie nutzen raffinierte Jagdstrategien, können schwimmen, auf Bäume klettern und sogar durch die Luft gleiten. Nur laufen können Schlangen nicht: Ihnen fehlen schlicht die Beine dafür. Denn bei ihren von vierbeinigen Echsen abstammenden Vorfahren schrumpften die Gliedmaße zunächst und verschwanden schließlich ganz. Außerdem verlängerte sich ihr Körper mehr und mehr und auch ihr Schädel veränderte sich – er wurde unter anderem viel beweglicher. “Schlangen stellen das vielleicht dramatischste Beispiel für die evolutionäre Wandlungsfähigkeit des Wirbeltier-Bauplans dar”, konstatieren Fernando Garberoglio von der Universität Maimonides in Buenos Aires und seine Kollegen.

Vorderbeine fehlten schon
Wann und wie sich diese Anpassungen seit dem Auftauchen der ersten schlangenartigen Tiere vor 170 Millionen Jahren entwickelten, ist allerdings noch in vielen Punkten unklar. Denn es gibt nur wenige gut erhaltene Fossilien früher Schlangen. Umso bedeutender ist ein Fund, von dem das Forscherteam um Garberoglio nun berichtet: Die Paläontologen haben in Patagonien drei fast perfekt konservierte Skelette sowie acht Schädel der ausgestorbenen Urzeit-Schlange Najash rionegrina entdeckt – darunter der erste dreidimensional erhaltene Schädel dieser Landschlange aus der Kreidezeit, die noch zwei Hinterbeine hatte. Untersuchungen der fast 100 Millionen Jahre alten Fossilien unter anderem mithilfe der Mikro-Computertomografie lieferten interessante neue Einblicke in die Evolution der Schlangen.
Wie die Wissenschaftler erklären, deutet die Abwesenheit von Vorderbeinen bei dieser und anderen Urzeit-Schlangen darauf hin, dass diese Gliedmaße schon zu einem frühen Zeitpunkt in der Schlangenevolution verschwunden sein müssen – anders als die Hinterbeine. Sie blieben offenbar mindestens 70 Millionen Jahre lang noch in verkleinerter Version erhalten und damit deutlich länger als angenommen. Damit zeichnet sich ab: “Die Morphologie der abwesenden Vorder- und reduzierten Hinterbeine war ein stabiler und erfolgreicher Bauplan und nicht etwa eine kurze Übergangsphase zwischen dem bebeinten und beinlosen Zustand”, sagen Garberoglio und seine Kollegen.





