Lehmfarbene steile Berghänge, manche davon mit einer schneebedeckten Spitze; Bäche, Flüsse und Ströme, die tiefe Schluchten in die Landschaft gegraben haben: Das Spiti-Tal im indischen Teil des Himalaya ist eine Extremregion. Die Monsunwolken, die dem Subkontinent zwischen Juni und August reichlich Wasser bescheren, regnen an den Südhängen des Himalaya ab und sorgen in Spiti meist nur noch für leichte Schauer.
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Text und Fotos: Nicole Graaf
Lehmfarbene steile Berghänge, manche davon mit einer schneebedeckten Spitze; Bäche, Flüsse und Ströme, die tiefe Schluchten in die Landschaft gegraben haben: Das Spiti-Tal im indischen Teil des Himalaya ist eine Extremregion. Die Monsunwolken, die dem Subkontinent zwischen Juni und August reichlich Wasser bescheren, regnen an den Südhängen des Himalaya ab und sorgen in Spiti meist nur noch für leichte Schauer.
Weit verstreut auf bis zu 4.500 Metern Höhe liegen kleine Dörfer in der Hochgebirgswüste. Die Felder ringsherum sorgen für ein paar grüne Farbtupfer in diesem beigefarbenen Ton in Ton. Kaum vorstellbar, dass in dieser Einöde etwas wächst, aber tatsächlich leben die Menschen hier seit Jahrhunderten von Ackerbau und Viehzucht. Dabei helfen ihnen die Gletscher. Die Bewohner Spitis zapfen ihr Schmelzwasser an und leiten es mithilfe von Kanälen hinunter auf ihre Felder.
So bewässert auch Tsering Yourdzom ihr Land im Dorf Rangrik. Es liegt auf einem Plateau, an dessen Fuß der Spitifluss in einem breiten Bett mäandert. Für die Feldarbeit hat sie sich eine Decke umgehängt und sie vorn mit einer Brosche fixiert – gegen den Nieselregen und den Wind, der auch im Sommer kalt weht. Sie freut sich über dieses Wetter. „Diese Art von Regen ist gut für die Pflanzen“, sagt sie. Wie alle Bäuerinnen in Spiti, baut sie grüne Erbsen an, die Zwischenhändler im Flachland verkaufen.
Die Landwirtschaft hier ist – anders als in anderen Teilen Indiens – hauptsächlich in Frauenhand. Die Männer kümmern sich ums Vieh, treiben Handel oder gehen einer Lohnarbeit nach. Doch beim Pflügen, während der Erntezeit, und wenn zusätzliche Hände gebraucht werden, arbeiten auch sie auf den Feldern mit.
Mit sicherem Tritt läuft Tsering Yourdzom über einen schmalen Erdwall, der eines ihrer Felder eingrenzt, das heute bewässert werden soll. Mit ihrer Harke hackt sie Stoffreste und Schlamm zur Seite. Damit hatte sie den Zufluss vom Hauptkanal abgedichtet. Langsam rinnt das Wasser in die Furchen des Felds und bedeckt nach und nach den ganzen Boden. Aber Tsering Yourdzom seufzt: „Wir haben hier zu wenig Wasser.“
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Wegen der globalen Erwärmung schmelzen manche Gletscher immer früher im Jahr ab. Das Wasser fehlt dann im Sommer für die Bewässerung. Mancherorts sind die Gletscher bereits ganz verschwunden. „Wir lassen einige unserer Felder brach, damit es für die anderen reicht,“ sagt Tsering Yourdzom. „Und ich helfe bei einer anderen Familie mit. Dafür bekomme ich von ihnen noch etwas Wasser.“ Die Verteilung des Schmelzwassers ist innerhalb der Dorfgemeinschaften – und auch zwischen den Dörfern – genau reguliert. Oberhalb der Felder liegt ein Reservoir. Dort wird das Gletscherwasser über Nacht gesammelt und tags auf die Felder geleitet. Wenn es nicht reicht, muss Tsering Yourdzom warten, bis sich das Reservoir wieder etwas gefüllt hat, und am Abend noch einmal bewässern. Wer wie oft Wasser entnehmen darf, ist seit Generationen festgelegt. Jene, deren Vorfahren einst die Kanäle angelegt haben, haben mehr Wasserrechte. Tsering Yourdzom muss jeweils sieben Tage warten, bis sie wieder an der Reihe ist, andere nur drei.
Von Selbstversorgung zur Marktökonomie
Die Erbsen kamen mit einem Entwicklungsprogramm des indischen Landwirtschaftsministerium nach Spiti. Ab den 1950er Jahren führte es allerorts passende Cash Crops ein, um den Menschen in den ländlichen Regionen Indiens Einkommensquellen zu eröffnen. Außerdem baut Tsering Yourdzom Gerste an. Mehl aus gerösteter Gerste gehört als Brei, Suppeneinlage oder als Teigkloß gegessen in alle traditionellen Speisen.
Früher bauten die Menschen in Spiti nur Gerste für den Eigenbedarf an. Daneben hielten sie Schafe, Ziegen und Yaks oder Dzos – Kreuzungen zwischen Yak und Hausrind. Sie weideten frei in den Bergen. „Als ich klein war, waren die Hänge noch grün“, erzählt Tsering Yourdzom. Laut Weltklimarat IPCC erwärmt sich die Hindukush-Himalaya-Region wesentlich schneller als der globale Durchschnitt. Weil die Eismassen Sonnenlicht reflektieren und der Permafrost Kohlenstoff speichert, ist die Region sehr wichtig für das globale Klima. Deshalb wird sie auch als dritter Pol bezeichnet.
Trockenheit, Hagel und Sturzfluten
Tsering Yourdzom hält auch ein paar Dzos, die die Familie mit Milch versorgen. Der Stall liegt im Erdgeschoss ihres traditionellen Lehmhauses. Das hält die Wohnräume darüber im Winter ein bisschen wärmer. Von November bis in den April bedeckt eine dichte Schneedecke die Landschaft. Das Schmelzwasser des Schnees tränkt im Frühjahr den Boden und sorgt für die Basis an Feuchtigkeit, die es zum Keimen der Pflanzen braucht. Aber inzwischen fällt er nicht mehr so üppig, erzählt Yourdzom. „Früher reichte der Schnee bis über das erste Stockwerk eines Hauses“; heute fällt er höchstens noch kniehoch.
Außerdem wird das Wetter immer unvorhersehbarer. „Wenn es regnen sollte, bleibt es zu trocken, und wenn die Erbsen bald reif sind, regnet es andauernd, sodass sie beginnen zu faulen“, sagt Tsering Yourdzom. Als Absicherung gegen ungünstiges Wetter werden die Erbsen so gepflanzt, dass sie in zwei bis drei Phasen reif sind, sodass sie zu unterschiedlichen Zeiten ernten kann. Außerdem können die Bauern so bessere Preise erzielen, wenn nicht alles gleichzeitig auf den Markt kommt.
Der Klimawandel sorgt im Hochhimalaya auch zunehmend für häufigere, lokal begrenzte Extremwetterereignisse. In einem Dorf weit oben in den Bergen hagelte es im letzten Sommer so stark, dass binnen 15 Minuten die gesamte Ernte vernichtet war. Zwischen Rangrik und dem Nachbardorf Khurik ging eine Schlammlawine ab; in Khurik wurden zwei Häuser bis unters Fenster im Obergeschoss verschüttet. Und die Straße vom Regionalzentrum Kaza zur Key Gompa, einem der größten und wichtigsten Klöster der Region, war immer wieder unpassierbar, weil der Regen die steilen Hänge aus Sandstein aufgeweicht hatte und Erdrutsche abgingen.
Weil das so häufig passiert, haben sich die Menschen schon daran gewöhnt. In den tieferen Regionen des Bundesstaats Himachal Pradesh, zu dem auch Spiti gehört, regnete es in der letzten Monsunsaison verglichen mit dem Durchschnitt früherer Jahrzehnte viel öfter und viel stärker, sodass es nicht nur Dutzende, sondern an die 100 Sturzfluten und über 100 Erdrutsche gab. Etwa 420 Menschen starben.
Warm genug für Äpfel
Die Landwirtschaftsbehörde arbeitet an neuen Methoden, damit sich die Bäuerinnen an die veränderten Wetter- und Klimabedingungen anpassen können. Sujata Negi organisiert im Auftrag der Behörde Schulungen und Exkursionen für die Bäuerinnen und Bauern. An einem sonnigen Sommertag hat sie eine Gruppe aus dem Pin Valley, einem Seitental Spitis, eingeladen, die Versuchsfarm in Tabo zu besuchen. Tabo liegt niedriger als die meisten Orte in Spiti und gehört zur landwirtschaftlichen Universität Solan nahe Shimla, der Hauptstadt des Bundesstaats Himachal Pradesh, etwa zwei Tagesreisen entfernt. Auf rund zehn Hektar werden die besten Methoden zu Anbau und Pflanzenschutz von Obstbäumen und auch Gemüse getestet und die Erfahrungen in Schulungen an die Bäuerinnen weitergegeben.
In den 80er Jahren hatte die Farm begonnen, den Apfelanbau auszuprobieren. Spitis Nachbarregion Kinnaur, von wo Sujata Negi stammt, war damals bereits in ganz Indien für seine schmackhaften Äpfel berühmt. Äpfel gelten in Indien als exotische Früchte, weil sie nur in kühleren Regionen gedeihen. Als Sorte dominieren die kleinen und süßen Golden Delicious. Kinnaur liegt rund 300 bis 1.000 Meter tiefer als Spiti, aber weil es in den letzten Jahrzehnten in Spiti spürbar wärmer geworden ist, klappte es mit den Apfelbäumen nun auch in Tabo. Sie wachsen auf jedem freien Fleck des kleinen Ortes, selbst in den Vorgärten der Touristenunterkünfte und auf dem weitläufigen Areal des Klosterkomplexes.
Auch im Pin Valley könnte das bald möglich sein, glaubt Sujata Negi, denn das Tal liegt ein wenig geschützt zwischen den Berghängen. Daher ist es dort etwas wärmer als etwa in Kaza und Rangrik. Außerdem gibt es im Pin Valley bisher kaum Probleme mit dem Wasser, denn der dortige Gletscher führt noch genug Eis.
Die Versuchsfarm liegt gleich gegenüber des Klosters von Tabo. Die Gartenbauforscherin Ankita Dhiman, eine der leitenden Wissenschaftlerinnen, führt die Besuchergruppe durch die Plantage. Interessiert begutachten die Teilnehmenden die Apfel- und Aprikosenbäume. Einige positionieren sich zu Selfies mit den leuchtenden gelben und roten Äpfeln oder pflücken ein paar Aprikosen zum Probieren. Im oberen Spiti-Tal findet sich solches Obst sonst nur im großen Basar des Regionalzentrums Kaza. Es kommt aus anderen Regionen und sieht, bis es die Auslagen erreicht, meist eher verschrumpelt aus.
Dhiman bleibt vor einer großen Blechtonne stehen. „Das ist Jivamrut“, sagt sie. Ein biologischer Dünger, den die indische Regierung als Alternative zu künstlichen Mitteln propagiert. „Wir mischen dafür Urin unserer heimischen Kühe, Kuhdung, Kichererbsenmehl, unraffinierten Rohrzucker und Erde aus dem Apfelhain, die reich an Mikroben ist. Die Mischung wird fünf bis sieben Tage lang fermentiert.“ Dann wird sie durchgeseiht und an die Pflanzen gesprüht. Einige wissenschaftliche Studien aus anderen Teilen Indiens haben bereits gezeigt, dass das Mittel die Zahl der Mikroorganismen im Boden erhöhen und eine ähnlich gute Wirkung auf das Pflanzenwachstum haben kann wie Kunstdünger.
Die indische Regierung fördert die Forschung zu solchen Mitteln nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ideologischen Gründen; denn alles, was von der indischen Kuh kommt, gilt der hindunationalistischen Regierungspartei BJP als segensreich und nutzbringend.
Ankita Dhiman geht weiter. Am Wegrand unter einer Plane stehen einige Schüsseln mit einem trüben Pflanzensud. Er besteht aus unterschiedlichen Wildkräutern, grünen Chilis und Knoblauchpaste, die wiederum in Urin von Kühen gekocht und dann ein paar Tage stehen gelassen werden. „Das hilft gegen Milben“, erklärt Dhiman.
Landwirt Thubten Gyamtso hat 2004 die ersten Apfel- und Aprikosenbäume gesetzt, inzwischen umfasst seine Plantage 1,2 Hektar. In der starken Mittagssonne spenden die Bäume angenehmen Schatten. Gyamtso bezieht, wie alle in Tabo, sein Wasser aus einem Gletscherabfluss rund zwei Kilometer entfernt. Es wird mit Kanälen und Schläuchen zu den Feldern geleitet. Um die Baumstämme herum hat Gyamtso kreisförmige Erdwälle aufgeschichtet. So bleibt das Wasser dort ein paar Zentimeter hoch stehen, ohne den fruchtbaren Boden wegzuschwemmen. Denn der Hain hat starke Hanglage.
Tabo hat zwar genug Wasser, aber ebenfalls Probleme mit ungewöhnlichen Wetterlagen, erzählt Thubten Gyamtso. „Dieses Jahr war es im April sehr kalt und windig, das hat den Bäumen in der Blütephase sehr geschadet, viele Blüten sind heruntergefallen. Deshalb haben wir dieses Jahr nicht so viel Ertrag.“ Früher sei das Wetter sehr viel stabiler gewesen, sagt er. Im Winter war es sehr kalt und im Sommer eher sonnig und beständig. „Heutzutage kann sich das Wetter jederzeit ändern, zum Beispiel mit einem urplötzlichen Kälteeinbruch.“ Die Zunahme solcher Wetterumschwünge bestätigen auch diverse internationale Studien als Merkmal des Klimawandels.
Wie viele Kilogramm Obst sein Hain im Jahr abwirft, weiß Thubten Gyamtso gar nicht so genau, denn er verkauft die Ernte für einen Pauschalpreis an einen Händler, der dann eigene Pflücker schickt. Aber sein Erlös sei in den letzten Jahren stetig gestiegen, sagt Gyamtso, von umgerechnet etwa 4.100 Euro vor fünf Jahren auf rund 9.600 Euro im letzten Jahr. „So viel verdienen hier die meisten mit den Äpfeln“, sagt er, und es klingt wie eine Entschuldigung. Die Menschen sind bescheiden hier.
Nicht so gut wie in Tabo sieht es jedoch in den tieferen Lagen, in Kinnaur und Shimla, aus. In den letzten Jahren gingen dort die Erntemengen zurück. „Äpfel brauchen rund 1.600 Stunden unterhalb sieben Grad Celsius, um gut zu gedeihen“, erklärt Gartenbauforscherin Ankita Dhiman. In den tieferen Lagen wird es dafür langsam zu warm.
Die Versuchsfarm testet auch, welche Gemüsesorten sich als Alternative für Erbsen eignen. Denn Apfelbäume wird man schon wegen des Wassermangels nicht überall pflanzen können. Die Bäuerinnen sollten ihren Anbau diversifizieren, rät Sujata Negi. „Dann sind sie nicht allein von den Erbsen abhängig.“ Denn es kommt immer wieder zu Ernteausfällen, entweder wegen zu großer Trockenheit oder durch Fäulnis und Pflanzenkrankheiten, wenn es zur falschen Zeit zu feucht ist, so wie im letzten Sommer. „Kohl und andere Gemüsesorten sind auch nicht so arbeitsintensiv“, gibt sie zu bedenken. „Und man kann sie auch viel länger lagern.“
Auf dem Rückweg von der Schulung fährt Negi bei Yeshe Drölma vorbei. Sie lebt in Lidang, einem Dorf wenige Kilometer vor dem Regionalzentrum Kaza. Yeshe Drölma gilt dort als Pionierin. Sie hat auch an diversen Workshops teilgenommen und baut nun sehr erfolgreich Kohl, Pak Choi, Brokkoli und anderes Gemüse an. Allerdings fehlt es ihr für diese Sorten an Absatzmöglichkeiten, daher machen auch bei ihr die Erbsen immer noch den Hauptteil ihres Einkommens aus. Für die geringen Mengen an anderem Gemüse, die bisher im Spiti-Tal produziert werden, unternimmt kein Händler aus dem Tiefland die Tagesreise.
Die Landwirtschaftsbehörde versucht unterdes, den boomenden Tourismus für die Bauern nutzbar zu machen und die Hotels und Restaurants als Abnehmer für lokales Gemüse zu gewinnen. Seit die indische Mittelschicht das Reisen entdeckt hat, stehen Abenteuertouren in die entlegenen Gegenden Indiens hoch im Kurs. Rund eine Million Touristen besuchen die Region jedes Jahr. Das eröffnet ganz neue Einkommensquellen.
Für Yeshe Drölma klappt der lokale Gemüseverkauf schon ganz gut. „Aber damit es sich wirklich lohnt, müsste es noch ein bisschen mehr sein“, sagt sie. Auch mehrere ihrer Nachbarinnen versuchen sich mit unterschiedlichem Gemüse. Vor Kurzem hat das Dorf mit staatlicher Subvention eine Wasserpumpe angeschafft und ein gemeinsames Reservoir angelegt, um auch Wasser aus dem tiefer gelegenen Fluss nutzen zu können. Bis dort unten musste ein steiler, mehrere Hundert Meter tiefer Abhang überwunden werden.
Langfristig müssen die Bauern auch auf Bewässerungsmethoden umsteigen, die weniger verbrauchen als die traditionell übliche Flutungsbewässerung, glaubt Sujata Negi. Denn die Gletscher in Spiti werden durch den Klimawandel immer weiter zurückgehen. Laut einem Bericht von ICIMOD, einem nicht staatlichen Thinktank aus der Region, sind die Gletscher in der Himalaya-Hindukush-Region zwischen 2010 und 2019 rund 65 Prozent stärker geschrumpft als im vorherigen Jahrzehnt. Dieses Wasser fehlt in den Bewässerungskanälen der Bäuerinnen bereits. Aber auch die Flüsse werden zukünftig immer weniger Wasser führen, prognostizieren die Experten.
In Lidang hat Yeshe Drölma auf ihrem Erbsenfeld und auf den kleineren Gemüsefeldern hinter ihrem Haus bereits eine Sprinkleranlage installiert. Das spart eine Menge Wasser. Noch effizienter ist die Tröpfchenbewässerung, die sie in ihren Gewächshäusern nutzt. Dort zieht sie Tomaten und Setzlinge, die sie an andere Bauern verkauft. In einem anderen baut sie versuchsweise Schnittblumen an.
Pumpanlagen würden heute vielen Dörfern entlang des Flusses helfen. Aber die Installation ist sehr aufwendig und teuer – wegen der Geografie und weil alles Material von weither gebracht werden muss. Und auch Strom muss ausreichend zur Verfügung stehen.
In Rangrik, wo Tsering Yourdzom mit der Ernte beschäftigt ist, ist bisher nichts dergleichen geplant. „Wir wären froh, wenn der Staat uns auch einen Brunnen oder eine Pumpe bereitstellen würde“, sagt sie. In den letzten zwei Wochen war es für ihre Felder jedoch am Ende zu feucht, und so muss sie sich nun mit der Ernte beeilen. Ein Teil der Erbsen hat schon weiße Flecken bekommen. „Dafür zahlt uns der Händler weniger“, sagt Tsering Yourdzoms Sohn Tashi Namgyal. Deshalb müssen die Erbsen sortiert und in unterschiedliche Säcke gepackt werden.
Am Ende bringt die Ernte rund 1.700 Euro ein. Zum Leben reicht das nicht. Dafür braucht eine Familie etwa 200 bis 300 Euro monatlich. Tashi hat vor Kurzem eine kleine Herberge für Touristen eröffnet, die nun für zusätzliches Einkommen sorgen soll. Aber die Landwirtschaft aufgeben, das kann sich Tsering Yourdzom nicht vorstellen. „Landwirtschaft ist mein Leben“, sagt sie. //
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