Gemäß dem Motto “Der Feind meines Feindes ist mein Freund” lassen sich Viren im Kampf gegen bakterielle Krankheitserreger einsetzen. Auf diese Weise ist es amerikanischen Wissenschaftlern im Tierversuch gelungen, Bakterien abzutöten, gegen die keine Antibiotika mehr wirksam waren. Eine tödliche Infektion durch Enterokokken konnte so mithilfe von Viren erfolgreich behandelt werden. Das berichten die Forscher im Fachblatt “Infection and Immunity” (Bd. 70, S. 204).
Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien befallen. Ein bestimmter Phagentyp ist jeweils auf eine Bakterienart spezialisiert. Für den Menschen sind sie nicht infektiös. Schon vor 80 Jahren versuchten Forscher, Phagen zur Bekämpfung bakterieller Infektionen einzusetzen. Aber durch die Entdeckung der Antibiotika verlor dieser Behandlungsansatz an Bedeutung. Erst das vermehrte Auftreten antibiotikaresistenter Keime hat die Möglichkeit einer Therapie mit Phagen wieder ins Interesse gerückt.
Carl Merril von den National Institutes of Health in Bethesda und Richard Carlton von der Firma Exponential Biotherapies infizierten Mäuse mit einem hochresistenten Stamm von Enterokokken. Unbehandelt starben die Tiere nach 48 Stunden. Erhielten die Mäuse fünf Stunden nach der Infektion eine Injektion mit Bakteriophagen, überlebten alle. Wurden die Viren erst nach 24 Stunden gespritzt, starben noch 50 Prozent.
“Das Auftreten antibiotikaresistenter Bakterien erfordert die Erforschung alternativer Therapien”, schreiben die Forscher. Die keimtötenden Phagen hätten sich im Tierversuch als wirksam und sicher erwiesen. Daher befürworten die Wissenschaftler, diese Form der antibakteriellen Therapie auch in klinischen Versuchen am Menschen zu überprüfen.
Staphylokokken und Enterokokken, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent geworden sind, stellen ein wachsendes Problem bei Infektionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen dar. Betroffen sind vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie AIDS-, Krebs- und Transplantationspatienten sowie ältere Menschen. Die früheren Versuche einer Phagentherapie scheiterten unter anderem an Nebenwirkungen, die durch toxische Substanzen in den ungenügend gereinigten Viruspräparaten enthalten waren.
Joachim Czichos





