Nach künstlicher Befruchtung durch intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) gezeugte Babys unterscheiden sich in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung bis ins zweite Lebensjahr nicht von normal gezeugten Kindern. Das zeigt eine im Fachblatt Lancet veröffentlichte Studie, die Mediziner des Londoner Royal Free Hospital in Zusammenarbeit mit anderen Kliniken durchgeführt haben.
Die ICSI wird in Fällen von Unfruchtbarkeit eingesetzt, die durch den Mann bedingt sind. Im Gegensatz zur normalen In-vitro-Fertilisation müssen dabei die Spermien nicht selbstständig die Eihülle durchdringen und zumindest dadurch ihre Fitness beweisen. Stattdessen wird ein einzelnes Spermium ausgewählt und direkt in die Eizelle injiziert. Dieses Verfahren ? so die Befürchtung ? könnte das Risiko erhöhen, dass Spermien mit Gendefekten eine Befruchtung herbeiführen und so vermehrt gesundheitlich beeinträchtigte Kinder geboren werden.
Das Ergebnis einer vergleichenden Studie mit ein bis zwei Jahre alten Babys rechtfertigt solche Befürchtungen nicht. 208 der untersuchten Kinder waren durch ICSI in verschiedenen Kliniken Großbritanniens gezeugt worden, die Kontrollgruppe bestand aus 221 normal gezeugten Kindern. Die Babys beider Gruppen unterschieden sich hinsichtlich ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung nicht. Lediglich die Rate von Kaiserschnitt- und Frühgeburten war in der ICSI-Gruppe leicht erhöht.
Kritisch dazu äußerte sich Peter Barratt von der University of Birmingham gegenüber BBC-Online. Er hält die Zahl der untersuchten Kinder für viel zu gering und die Zeitspanne von ein bis zwei Jahren nach der Geburt für zu kurz für eine aussagekräftige Untersuchung. “Wir müssen uns klar darüber sein, dass sich die ICSI-Methode noch im Experimentierstadium befindet”, sagt Barratt. Eine größere, landesweite Studie, an der alle Kliniken beteiligt werden sollen, die eine ICSI anbieten, ist geplant.
Joachim Czichos





