Insektizide sollen Nutzpflanzen vor Schädlingen schützen, aber nach Möglichkeit dabei nützliche Insekten wie Bienen verschonen. Lange galten die weit verbreiteten Mittel aus der Klasse Neonicotinoide als wirksam, aber weitgehend bienenfreundlich. Diese Insektizide schädigen das Nervensystem von pflanzenfressenden Insekten, führen zu Krämpfen und schließlich zum Tod. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass diese Mittel auch Bienen schaden, sie gelten als mitverantwortlich für das Bienensterben und einige Neonicotinoide sind inzwischen in der EU verboten.
Futtertests im Labor
Als Ersatz für die verbotenen Neonicotinoide wurden vor einigen Jahren unter anderem die Ersatzstoffe Flupyradifuron und Sulfoxaflor entwickelt, deren Wirkung auf dem gleichen biochemischen Mechanismus beruht. Inzwischen zeigt sich, dass auch Flupyradifuron und Sulfoxaflor Bienen schaden. In der EU darf Sulfoxaflor seit 2022 deshalb nur noch in Gewächshäusern eingesetzt werden. Das genaue Ausmaß der Bienenschädlichkeit dieser beiden Mittel zeichnet sich allerdings erst nach und nach ab, aktuell in einer Studie von einem Team um Yahya Al Naggar von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Dafür züchteten die Forscher Honigbienen im Labor und fütterten sie zunächst mit Zuckersirup. Nach ein paar Tagen unterteilten sie die Tiere in mehrere Gruppen und mischten jeder Gruppe ein anderes Pflanzenschutzmittel in die Nahrung. Eine erhielt Flupyradifuron, eine andere Sulfoxaflor.
Bei zwei weiteren Gruppen landete zusätzlich zu einem der Gifte auch noch Azoxystrobin in der Nahrung. Azoxystrobin ist ein Mittel gegen Pflanzenpilze, das auch in der Landwirtschaft häufig in Kombination mit Insektiziden auftritt. Bei der Dosis der Insektizide orientierten die Wissenschaftler sich „an realistischen Konzentrationen, wie sie etwa in Pollen und im Nektar von Pflanzen enthalten sind, die mit den Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden“, erklärt Hauptautor Yahya Al Naggar, der zum Studienzeitpunkt an der MLU arbeitete. Eine Kontrollgruppe erhielt weiterhin nur den normalen Zuckersirup. Die Wissenschaftler beobachteten zehn Tage lang, was die unterschiedliche Nahrung mit den Bienen machte.
Chaos im Verdauungstrakt
Das Ergebnis: In der Flupyradifuron-Gruppe starb etwa die Hälfte aller Bienen. In der Gruppe, die zusätzlich Azoxystrobin bekommen hatte, sogar noch mehr. Sulfoxaflor wirkte sich ähnlich auf die Tiere aus, doch es überlebten mehr von ihnen. Neu ist dabei, dass die Tiere unter anderem deshalb verenden, weil Gifte und Pilzmittel ihre Darmflora schädigen. „Das Fungizid Azoxystrobin reduzierte sehr deutlich die natürlich vorkommenden Pilze. Das war zu erwarten, da Fungizide eben zur Bekämpfung von Pilzen eingesetzt werden“, sagt Co-Autor Tesfaye Wubet vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Doch nicht nur das: Die Mittel bewirken außerdem, dass sich das Bakterium Serratia marcescens im Verdauungstrakt der Tiere ausbreiten kann. Diese Bakterien-Art macht die Tiere laut der Forschenden anfälliger für Krankheiten, wodurch sie schließlich vorzeitig sterben.





