Schätzungen zufolge sind Löwen mittlerweile in mindestens 92 Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets ausgerottet. Allein in den letzten 20 Jahren haben die ikonischen Raubkatzen einiges an Platz und Populationsdichte eingebüßt und gelten mittlerweile sogar als gefährdet. Doch um die verbliebenen 20.000 bis 25.000 Tiere zu schützen, muss man zunächst genau wissen, vor welchen konkreten Problemen die Löwen stehen und welche Maßnahmen ihnen am effektivsten helfen würden.

Ein Index für den Löwenschutz
Forschende um Samantha Nicholson von der University of Oxford haben nun erstmals für 62 Löwenpopulationen in 25 afrikanischen Ländern ermittelt, welche Faktoren genau ihre Zukunft bedrohen. Dafür zogen sie sowohl ökologische Bedrohungen wie Wilderei und die Ausbreitung der Viehwirtschaft heran als auch sozio-ökonomische Bedingungen des jeweiligen afrikanischen Landes, darunter Naturschutzbemühungen und wirtschaftliche Stabilität.
Aus den verschiedenen Faktoren konnten Nicholson und ihr Team schließlich einen individuellen Gefährdungsindex errechnen, der angibt, wie bedroht eine Löwenpopulation im Vergleich zu anderen ist. Null entspricht keinerlei Gefährdung, Werte über eins einer starken Bedrohung für die Löwen. Basierend aus den dabei ermittelten Ursachen der Bedrohung konnten die Forschenden auch aufzeigen, wie viel und welche Art von Schutz den Raubkatzen langfristig wieder auf die Beine helfen würde.
Somalias Löwen sind am gefährdetsten
Das Ergebnis: „Fast die Hälfte der Verbreitungsländer wurde in beiden Kriterien als hochgradig fragil eingestuft: Diese Länder repräsentierten zusammen 39 Prozent des Verbreitungsgebiets der Löwen“, berichten Nicholson und ihre Kollegen. Die schlechtesten Zukunftsaussichten haben demnach die Löwen in Somalia. Dort gibt es nur noch eine einzige Löwenpopulation und deren Lebensraum steht nicht einmal unter Schutz. Hinzu kommt, dass die Viehwirtschaft hier im Vergleich zu allen anderen Ländern am weitesten in das Löwengebiet vorgedrungen ist und die Raubkatzen somit immer mehr zurückdrängt. In Zahlen ausgedrückt weist das Land aktuell einen Gefährdungsindex von 1,72 auf, wie die Forschenden berichten.
Dem gegenüber steht das löwenfreundliche Botswana mit einem Index von gerade einmal 0,13. Dort leben vier große Populationen, die überdies gut miteinander vernetzt sind. Außerdem ist die Anzahl von Menschen und Vieh in den Löwengebieten besonders niedrig, sodass die Tiere ungestört leben können. Sozio-ökonomisch betrachtet weist Botswana überdies eine verhältnismäßig starke Wirtschaft und ausgeprägte Naturschutzbemühungen auf, wie Nicholson und ihr Team ermittelt haben.





