natur: Herr Professor von Weizsäcker, zur dritten “International Convention of Environmental Laureates” sind über 100 Preisträger aus aller Welt nach Freiburg gekommen. Wenn wir einmal mit Klimakonferenzen vergleichen, die 10.000 bis 20.000 Teilnehmer haben: Sind solche Veranstaltungen eine Alternative zu den großen Umwelt- und Klimakonferenzen?
Ernst-Ulrich von Weizsäcker: Nein, es gibt Rollen- und Arbeitsteilung. Von Staaten autorisierte internationale Entscheidungen nennt man Global Governance. Hier in Freiburg geht es um kreative Meinungsbildung.
Inwiefern bringen solche Zusammentreffen den Umwelt- und Klimaschutz voran?
Wenn es vor 20 Jahren nicht auf informeller und wissenschaftlicher Ebene eine Bewegung zur Solarenergie gegeben hätte, hätte Hermann Scheer nie das EEG in den Bundestag einbringen können. Heute geht es um den Austausch von Erfolgsmodellen weltweit – von Bangladesch bis Peru. Und die gegenseitige Ermutigung erfolgreicher Umweltpreisträger und Aktivisten. Hieraus kann sich eine neue Dimension eines global angelegten Klima- und Umweltschutzes entwickeln.
Sie haben gerade das Beispiel Bangladesch und die Präsentation von Dipal Barua angesprochen. Er ist Vorsitzender der Bright Green Energy Foundation und hat die Vision, Bangladesch zu einer der ersten Solarnationen der Welt zu machen. Heute werden bereits 2,8 Millionen mit solare Systeme in ländlichen Gebieten versorgt, 80.000 in Regionen installiert, in denen es kein Netz gibt. 2020 sollen es 75 Millionen in Bangladesch sein. Wir diskutieren derzeit in Deutschland darüber, dass wir die Kosten der Energiewende nicht mehr tragen können. Wie ist das möglich, dass ein Land wie Bangladesch Vorreiter sein – eines der ärmsten Länder der Welt?
Der Preisverfall von Solarenergie findet in Deutschland wie in Bangladesch statt. Die deutsche Schwierigkeit ist ein Umlageverfahren gewesen, welches auf soziale Asymmetrie keine Rücksicht nahm. Selbstverständlich können wir Deutschen die Fortsetzung der Solarisierung der Energie ohne weiteres finanzieren.
Was passiert, wenn wir in Deutschland die Energiewende versemmeln?
Das wird nicht passieren. Auch die unter dem bekannten Kostendruck zustande gekommene Gabrielsche Energiewende 2.0 enthält noch ein beachtlicher Ausbau der erneuerbaren Energien.





