Amerikanische Forscherinnen haben entdeckt, wie sich geschädigte Korallen selbst heilen können: Sie nehmen winzige Algen aus ihrer Umgebung auf und ersetzen damit abgestorbene Einzeller in ihrem Inneren. Dieser Prozess ist lebenswichtig für die Nesseltiere, denn sie bekommen nur dann ausreichend Nährstoffe, wenn die Lebensgemeinschaft mit den Algen intakt ist. Das berichten Alice Coffroth und Cynthia Lewis von der Universität von New York in Buffalo in der Fachzeitschrift Science (Bd. 304, S.1490).
Zwischen Algen und Korallen besteht eine spezielle Lebensgemeinschaft, genannt Endosymbiose: In ihrem Larvenstadium nimmt die Koralle bestimmte Algen auf und lagert sie in ihren Körper ein. Als Gegenleistung für den geschützten Standort liefern die Algen der Koralle lebenswichtige Nährstoffe. Zu intensive oder zu geringe Lichteinstrahlung können jedoch ? genauso wie andere störende Umwelteinflüsse ? dazu führen, dass die eingebetteten Endosymbionten absterben. Dieser Vorgang, genannt Bleaching, bedeutet häufig den Tod der Koralle.
Besonders während der letzten Jahrzehnte wird diese Form der Korallenschädigung immer häufiger beobachtet. Einige Korallen können sich jedoch erholen und ihren Algenhaushalt stabilisieren. Ob die Korallen dazu jedoch neue Algen aus ihrer Umgebung aufnehmen oder ob sich die wenigen verbliebenen vermehren, war bislang nicht bekannt. Die Arbeitsgruppe von Alice Coffroth fand nun eindeutige Hinweise darauf, dass die betroffenen Korallen neue Algen aus dem umgebenden Meerwasser aufnehmen.
In ihren Experimenten setzten die Forscher Korallen anhaltender Dunkelheit aus und töteten auf diese Weise rund 99 Prozent der enthaltenen Algen ab. In den folgenden sechs Wochen gaben die Wissenschaftler fremde Algenstämme in das die Korallen umgebende Wasser. Die Tiere nahmen die neuen Algen tatsächlich auf und erholten sich so von der Schädigung. Somit scheint die Lebensgemeinschaft zwischen Algen und Korallen viel flexibler zu sein, als ursprünglich angenommen, folgern die Wissenschaftler aus diesen Ergebnissen.
ddp/bdw ? Kathrin Lengfellner





