Fledermäuse verlassen sich beim Navigieren nicht immer ausschließlich auf ihr Echosystem: Sie haben auch eine imaginäre Karte und eine Art GPS im Kopf, um sich zu orientieren. Wo sie sich auskennen, nutzen die Säugetiere vor allem markante Geländepunkte, wie Bergrücken, Lichter von Siedlungen oder hoch herausragende Bäume, hat ein internationales Forscherteam jetzt bei Nilflughunden gezeigt. Und auch fern der Heimat und ohne optische Hilfsmittel finden die ägyptischen Fledermäuse zurück zu ihren Höhlen ? hier scheint das GPS zu helfen, denn nach kurzer Orientierung entscheiden sich die Tiere intuitiv für die Himmelsrichtung, die gen Heimat führt.
Fledermäuse legen auf ihrer nächtlichen Nahrungssuche zig Kilometer zurück. Ägyptische Flughunde etwa drehen Nacht für Nacht fast die gleiche, bis zu 25 Kilometer große Runde. Ihre Ziele sind verschiedene Obstbäume. Um besser zu verstehen, wie sich die Tiere dabei orientieren, statteten die Wissenschaftler 20 der Tiere erstmals mit winzigen, zehn Gramm leichten GPS-Sendern aus. Zunächst zeichneten sie die allnächtlichen Routen der in Jerusalem lebenden Fledermäuse auf.
In einem ersten Experiment brachten sie die kleinen Säuger etwa 40 Kilometer von ihren heimischen Höhlen weg. Ein Teil der Fledermäuse bekam vor seiner Freilassung etwas zu fressen. Diese Tiere flogen anschließend laut dem Forschungsteam auf direktem Weg zu ihren Schlafplätzen. Den anderen Teil der Fledermäuse entließen die Wissenschaftler hungrig in die unbekannte Umgebung. Diese Gruppe absolvierte zuerst ihre übliche Futtersuche und kehrte dann zu ihrer Höhle zurück ? ebenfalls ohne Umweg.
Anders sah es bei einer größeren Entfernung aus: In einem zweiten Experiment ließen die Wissenschaftler die Flughunde von einem über 80 Kilomieter südlich gelegenen Krater starten. Auch diesmal verglichen sie zwei unterschiedliche Gruppen. Während der erste Trupp Fledermäuse am Kraterrand, also mit Blick auf die umgebende Landschaft, gen Heimat entlassen wurde und wie erwartet ebenfalls problemlos nach Hause fand, mussten sich die Tiere, die innerhalb des Kraters freigelassen wurden, zunächst orientieren. Denn ihnen standen keine optischen Orientierungshilfen zur Verfügung. Doch nach einem kurzen Erkundungsflug im Krater entschieden sich alle Nilflughunde dafür, den Kraterrand in nördlicher Richtung, also gen Heimat, zu überqueren.
Haben die Tiere also keine Orientierungshilfen wie markante Geländeerhebungen oder Lichter von Siedlungen, greifen sie auf eine Art inneres GPS zurück, schlussfolgern die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass dabei auch das Magnetfeld der Erde und bekannte Luftströmungen wie Meeresbrisen eine Rolle spielen könnten.
Asaf Tsoar (Hebrew University, Jerusalem) et al.: Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.1107365108 wissenschaft.de ? Marion Martin





