Frobel: Ganz am Anfang stand ein Schülerprojekt. Schon Mitte der 70er Jahre war ich in der Jugendorganisation des Bund Naturschutz aktiv, war viel in der Natur unterwegs und habe vor allem Vögel in meiner Heimat im oberfränkischen Mitwitz beobachtet – ganz in der Nähe der innerdeutschen Grenze. 1977 nahm ich dann an einem vom Bayerischen Innenministerium ausgerichteten Schülerwettbewerb teil, „Jugend entdeckt Natur” hieß der. Dafür machte ich Vogelerfassungen im Steinachtal zwischen Coburg und Kronach. Und gewann den Wettbewerb. Ich hatte nachgewiesen, dass im unmittelbaren Grenzgebiet tatsächlich noch Vögel wie Braunkehlchen, Grauammern, Neuntöter und Raubwürger vorkamen – Arten, die anderswo in Deutschland nicht zuletzt aufgrund der Flurbereinigung verschwunden waren. Mein kleines Projekt machte erstmals deutlich, welchen Wert die Naturstrukturen an der Grenze haben. Wer Rote Liste-Arten suchte, musste eigentlich nur mit dem Fernglas in den Todesstreifen schauen. 1979 bis 1984 haben wir dann, ebenfalls mit einer Handvoll Jugendlicher, ein großes ornithologisches Erfassungsprogramm auf 1000 Quadratkilometern zwischen Bamberg und Coburg durchgeführt. Dabei haben wir durchaus auch über die Grenze hinweg geschaut. Per Fernglas ging das. Nun hatten wir 140 Kilometer Grenze untersucht, zehn Prozent der gesamten innerdeutschen Grenze. Die Ergebnisse der ersten untersuchungen wurden während dieser umfangreicheren Untersuchungen bestätigt und später dann auch in anderen Grenzregionen. Diese Vogelstudien waren die fachliche Grundlage für die spätere „Grüne Band”-Initiative, die Hubert Weiger und ich dann angestoßen haben.

Kai Frobel in den 70er Jahren – damals gab es noch kein “Grünes Band”.
natur: Wann wurde das Schülerprojekt „erwachsen”?
Frobel: 1981 erfolgte das erste BN-Pressegespräch allein zu dem Thema „Letzter Zufluchtsort Todesstreifen?” Der BN machte auch erste Eingaben, etwa ein zu entwässerndes Moorgebiet nicht trockenzulegen, und er kaufte erste Flächen auf, um sie für den Naturschutz zu sichern.
Weiger: Unsere große Sorge war, dass man uns missverstehen könnte: Wie setzen wir uns für den Erhalt dieser Gebiete ein, ohne dass es heißt, der BN wolle, dass die Grenze aufrecht erhalten wird? Die Tatsache, dass es im Todesstreifen so gut um die Artenvielfalt bestellt war, zeigte ja, wie schlecht es im landwirtschaftlichen Naturschutz auch im Westen stand – und selbst heute noch steht. Es ist eine Dokumentation für das Versagen der Politik.





