Gegen die Ebola-Viren gibt es kein Medikament und keine Impfung, selbst die Überträger des tödlichen Virus sind Experten bislang ein Rätsel. Nach der Anfang Oktober in Uganda ausgebrochenen Epidemie mit bislang 47 Todesopfern durchforsten Wissenschaftler der amerikanischen Weltraumbehörde NASA und der Weltgesundheitsorganisation WHO aktuelle Satellitendaten. Sie glauben an einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Ebola und außergewöhnlichen Wetterergnissen.
Jim Wilson von der WHO und Compton Tucker von der NASA analysierten alte Klimadaten. Dabei fiel ihnen auf, daß den Ebola-Eregnissen zwischen 1994 und 1996 auffällige Klimaveränderungen vorausgegangen waren. Tucker berichtet von einer ungewöhnlich trockenen Periode im tropischen Afrika, auf die ein abrupter Wetterumschwung folgte. Nun suchen die beiden Wissenschaftler im Vorfeld der aktuellen Epidemie nach ähnlichen Mustern.
Aus den Daten hoffen die Forscher in Zukunft Ebola-Epidemien voraussagen zu können. Das mag abenteuerlich erscheinen. Der WHO-Verantwortliche in Uganda, Ray Arthur, erklärt aber, daß auch der Ausbruch anderer Infektionskrankheiten, etwa des Lhassa-Fiebers, an klimatische Faktoren gekoppelt ist. Warum sollte dies nicht auch für die noch wenig erforschte Ebola-Krankheit zutreffen?
Die Rolle der Klimabedingungenen besteht darin, die bislang unbekannten Infektionswege durch mehrere Überträger zu gewährleisten: Nach dem Szenario der Wissenschaftler sind fuer den Ausbruch des Erregers verschiedene Überträgertierarten notwendig, die unter normalen Wetterverhältnissen nicht gemeinsam auftreten. Erst unter bestimmten Klimabedingungen, so vermutet Arthur, treffen verschiedene Spitzmäuse, Mäuse oder sogar Fledermäuse zusammen – der Infektionsweg ist hergestellt und das Virus kann auf den Menschen übergehen.
Doch was nutzt die Vorhersage eines Ebola-Ausbruchs, wenn Mediziner die Krankheit nicht behandeln können? Gary Nabel von der Nationalen Gesundheitsbehörde der USA ist zuversichtlich, daß es in wenigen Jahren ein Medikament oder eine Schutzimpfung gibt. Erste Erfolge hatte sein Team bei Versuchen mit Impfseren an Affen. Diese Medikamente gegen Ebola könnten bei einer effektiven Vorhersage frühzeitig in die Risikogebiete gebracht werden.
Aber auch ohne Schutzimpfung oder Behandlungsmöglichkeiten macht die Vorhersage von Ebola-Ausbrüchen Sinn. Medizinische Fachkräfte können vorab informiert werden. Wertvolle Zeit für die Diagnose läßt sich somit gewinnen und frühzeitig ergriffene Quarantänemaßnahmen könnten eine epidemische Ausbreitung der Krankheit verhindern.
Ingo Ensminger und NewScientist





