Der Mensch macht die Nacht zum Tage. Die künstliche Beleuchtung von Straßen, Gebäuden und Industrieanlagen überlagert vielerorts den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Ein Großteil der Menschheit erlebt schon jetzt keine echte Dunkelheit mehr und die Erde wird nachts immer heller. Diese Lichtverschmutzung hat gravierende Folgen: Das nächtliche Streulicht kann der menschlichen Gesundheit schaden und bedeutet auch negative Konsequenzen für viele Tiere. So gefährdet das Nachtlicht nachtaktive Arten, macht Insekten und Zugvögel orientierungslos und hindert Korallen sogar an der Paarung. “Künstliches Licht gibt Ökologen zunehmend Grund zur Besorgnis, da die Auswirkungen auf Organismen gravierend sein können”, erklärt Karen Burke da Silva von der Flinders University in Adelaide. “Die schädlichen Effekte auf terrestrische Ökosysteme sind bereits intensiv erforscht, vergleichsweise wenig wissen wir dagegen über die Folgen in marinen Lebensräumen.”
Nachwuchs schlüpft nicht
Um dies zu ändern, haben sich die Biologin und ihr Team um Erstautorin Emily Fobert von der University of Melbourne nun einem charismatischem Meeresbewohner gewidmet: dem Falschen Clownfisch (Amphiprion ocellaris) – einem Verwandten von Nemo aus dem bekannten Animationsfilm. Wie die Wissenschaftler berichten, sind viele biologische Prozesse dieser Riffbarsche an Veränderungen der Lichtverhältnisse gekoppelt. So findet das Laichen in der Regel bei Vollmond statt und der Nachwuchs schlüpft typischerweise einige Stunden nach der Dämmerung. Auch im Meer wird dieser von Licht und Dunkelheit bestimmte Rhythmus jedoch zunehmend durch künstliche Einflüsse überlagert: Neben dem Licht von Häfen, Werftanlagen und Strandpromenaden durchbrechen mitunter auch schwimmende Übernachtungsmöglichkeiten die Dunkelheit. Denn viele dieser Unterkünfte besitzen sogar einen Glasboden, sodass die Gäste nachts das Treiben in den Korallenriffen unter ihnen beobachten können.
Welche Folgen dies für Nemo und Co hat, testeten die Forscher mit zehn Clownfischpaaren. Fünf dieser Paare wurden dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus gleichenden Lichtverhältnissen ausgesetzt, die anderen erlebten das, was vielerorts mitunter Realität ist. Ihr Aquarium wurde nicht nur zwölf Stunden am Tag mit hellem Licht beschienen. Nachts tauchte eine LED-Leuchte die Umgebung zwölf Stunden lang in Dämmerlicht. Wie würde sich dies auf den Fortpflanzungserfolg der Fische auswirken? Die Ergebnisse zeigten: “Das künstliche Nachtlicht hatte zwar keinen Einfluss auf Eiablage und Befruchtung. Doch der Effekt auf das Schlupfverhalten war dramatisch”, berichten Fobert und ihre Kollegen. So kam aus den Eiern, die im kontinuierlichen Schein der LED-Lampe inkubiert worden waren, kein Nachwuchs hervor. “Der Fortpflanzungserfolg der Rifffische wurde durch das Nachtlicht komplett zunichte gemacht”, sagt Fobert.





