Um den hungrigen Blicken von Räubern zu entgehen, haben bestimmte Vertreter der Schmetterlinge einst ihre Aktivität in den Schutz der Dunkelheit verlagert. Doch die Nachtfalter waren dort nicht lange sicher: Fledermäuse folgten ihnen in die Dunkelheit und stellten ihnen mit ihrem raffinierten Biosonar nach. Die Jäger der Nacht stoßen dabei hochfrequente Schreie aus, die vom Körper der Insekten reflektiert werden. Durch die feinen Echos können sie ihre Beutetiere dann präzise orten und direkt aus der Luft schnappen. Doch die Nachtfalter blieben keine hilflosen Opfer – sie rüsteten im Laufe der gemeinsamen Evolution mit ihren Feinden auf. Forscher haben dabei bereits unterschiedliche Strategien aufgedeckt.
Lautstarken Nachtfaltern auf der Spur
Einige Arten reagieren etwa auf die Laute der Fledermäuse durch clevere Ausweichmanöver und andere haben schallschluckende Strukturen hervorgebracht, um sich akustisch zu tarnen. Es war auch bereits bekannt, dass manche Nachtfalter eigene Ultraschallsignale abgeben. Manche Arten hüllen sich dadurch offenbar in einen Mantel aus sonarstörendem Rauschen, sodass sie Fledermäusen mit ihrer Echoortung nur schwer detektieren können. Die Laute können aber auch der Abschreckung dienen: Die Insekten machen die Federmäuse auf ihre Giftigkeit oder ihren üblen Geschmack aufmerksam. Diese akustische Drohung entspricht dabei der Funktion der bunten Warnfarben einiger Tagfalterarten.
Bisher waren akustischen Verteidigungsmechanismen bei Nachtfaltern aber nur von relativ wenigen Beispielen bekannt. Die Forscher um Akito Kawahara vom Florida Museum of Natural History sind deshalb der Frage nachgegangen, wie weit verbreitet diese Verfahren tatsächlich sind. Ihre Ergebnisse basieren auf umfangreichen Untersuchungen von Nachtfalterarten in unterschiedlichen Regionen der Welt. Um aufzudecken, ob sie als Reaktion auf einen Fledermausangriff Ultraschall produzieren, simulierten die Wissenschaftler Attacken, indem sie die Insekten physisch bedrängten oder ihnen Ultraschall-Laute von Fledermäusen vorspielten. Außerdem untersuchten sie die Lauterzeugungs-Mechanismen und inwieweit die „lauten“ Nachtfalterarten ungenießbar sind.
Weit verbreitet und raffiniert
So zeigte sich: Akustische Verteidigungsmechanismen kommen viel häufiger vor als bisher angenommen. “Es gibt massenweise Nachtfalter, die Ultraschalltöne erzeugen, über die wir bisher kaum etwas wissen”, sagt Kawahara. Auf der Grundlage ihrer Befunde schätzen die Forscher, dass etwa 20 Prozent aller Nachtfalterarten Anti-Fledermaus-Geräusche produzieren. Aus Informationen zur Evolutionsgeschichte geht dabei hervor, dass es mehrfach unabhängig voneinander zur Entwicklung von Sonar-Störverfahren sowie Warntönen vor Ungenießbarkeit in verschiedenen Nachtfalter-Linien gekommen ist. Das zweite Konzept ist dabei weiter verbreitet, geht aus den Ergebnissen hervor.





