Es hätte nicht viel gefehlt und aus dem späteren Meeresforscher wäre eine Wasserleiche geworden. „Der Junge muss schwimmen lernen”, hatte sein Onkel Fritz festgelegt und den vierjährigen Hans Hass einfach in ein Schwimmbecken geworfen, natürlich dort, wo er nicht mehr stehen konnte. Dabei wäre der Junge fast ertrunken und mied jahrelang das Wasser.
Dass er doch noch Schwimmen lernte und sogar einer der bekanntesten Meeresforscher und –dokumentare wurde, verdankte er dem Zufall und einer Ferienreise nach Südfrankreich. Dort lernte er einen tauchenden Jäger kennen und wurde selbst zu einem. Eins kam zum anderen und Hass schaffte es mit seinem Charme, seiner Begeisterung, seinem Wissen und seinem Erfindungsreichtum, Menschen für seine Projekte und sein Lebensthema zu begeistern. Das Meer und seine Bewohner waren schon in seinem ersten Film „Pirsch unter Wasser” seine Hauptdarsteller – und das alles andere als trocken. Es ist beste Unterhaltung.
Schon vor mehr als 70 Jahren funktionierte Wissensvermittlung eben am besten, wenn sie über Faszination und Begeisterung zu den Menschen gebracht wurde. Hass hatte Erfolg, tüffelte an Tauchapparaten, Kameras und an seiner weiteren Karriere. Er überstand Krieg und Moden und blieb sich immer treu. Er liebte das Meer und wurde zu seinem engagierten Fürsprecher. Er prangerte das Sportfischen an, die Meeresverschmutzung und schließlich auch unseren ungezügelten Ressourcenverbrauch.
In den 1980ern ist er mir als Kind im Fernsehen erstmals begegnet. Ich weiß nicht mehr genau, auf welchem Programm, aber der markante Bart und sein Thema haben sich mir eingeprägt. Die Welt, die Hass auf den Bildschirm brachte, war bunt und fremdartig. Schön. Der Österreicher war mit seiner Art nicht allein: Jacques Costeau, Heinz Sielmann, Bernhard Grzimek – sie alle haben nicht nur meiner Generation gezeigt, wie unglaublich schön Natur ist, welches bemerkenswerte Verhalten Tiere an den Tag legen und wie fragil das Leben auf der Erde doch ist. Jeder ist auf seine Weise Botschafter des Lebendigen gewesen. Und mit Hans Hass verbinde ich natürlich auch vor allem seinen Einsatz für die Haie. Dass sie eben nicht jene brutalen Killer sind, sondern die wichtige Rolle des Top-Prädatoren einnehmen, neugierig und alles andere als unberechenbar sind.
Mit Hass ist der letzte aus der Generation der Pioniere gestorben. Das ist traurig. Aber vielleicht ist es auch ein Trost, dass andere in ihre Fußstapfen getreten sind. Jan Haft und Andreas Kieling beispielsweise. Auch sie schaffen es, Faszination und Begeisterung zu ihrem Publikum zu bringen.





