Gestern erst veröffentlichten Forscher die Hiobsbotschaft, dass sich in Deutschland ein drastischer Insektenschwund abzeichnet: In den letzten 27 Jahren hat sich demnach die Biomasse fliegender Insekten bei uns um drei Viertel verringert. Dies hat nicht nur fatale Folgen für die von Bestäuberinsekten abhängigen Pflanzen, auch viele Vögel sind auf Fliege, Schmetterling und Co als Futter angewiesen. Schon länger deuten Studien daraufhin, dass deshalb auch die Menge der Singvögel in Europa zurückgeht.
Wie es mit dem Vogelschwund in Deutschland aussieht, zeigt nun eine neue Auswertung von Daten aus der Zeit zwischen 1998 und 2009. Diese Vogelbestandsdaten hatte die Bundesregierung 2013 an die EU gemeldet, ausgewertet wurden damals aber nur Zu- oder Abnahme bei einzelnen Arten. Jetzt haben Forscher des NABU anhand dieser Zahlen ermittelt, wie sich der Gesamtbestand der Vögel in Deutschland entwickelt hat.
15 Prozent weniger in nur zwölf Jahren
Das Ergebnis auch hier: Es gibt einen klaren Rückgang. In nur zwölf Jahren hat Deutschland 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren. Ihre Zahl ging von 97,5 auf 84,8 Paare zurück. Das entspricht 15 Prozent des ursprünglichen Bestandes von 1998. Wie die Forscher feststellten, sind von diesem Vogelschwund vor allem häufige Arten betroffen.
“Aufgrund dieser dramatischen Zahlen muss man von einem regelrechten Vogelsterben sprechen”, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. “Während wir es schaffen, große und seltene Vogelarten durch gezielten Artenschutz zu erhalten, brechen gleichzeitig die Bestände unserer Allerweltsvögel ein. Sie finden einfach in unserer heutigen aufgeräumten Agrarlandschaft außerhalb von Naturschutzgebieten keine Überlebensmöglichkeiten mehr.”
Den Star trifft es am härtesten
Die Abnahme der Bestände trifft dabei nicht alle Vogelarten gleichermaßen. Mit Abstand am stärksten sind die Verluste beim Star. Der frisch gekürte Vogel des Jahres 2018 stellt 20 Prozent der seit 1998 verlorenen Brutpaare. Mit fast 2,6 Millionen Brutpaaren weniger ist diese einst bei uns extrem häufige Art besonders betroffen. Seine bevorzugten Lebensräume wie Weiden, Wiesen und Feldränder werden immer seltener und artenärmer. Auch die für das Brüten nötigen Baumhöhlen schwinden.
Auf den nächsten Plätzen folgen die ebenfalls einst häufigen Arten Haussperling, Wintergoldhähnchen und Buchfink. Aber auch Feldlerche, Feldsperling und Goldammer sind unter den zahlenmäßig größten Verlierern. “Sowohl bei den seltenen als auch bei den häufigen Arten sind die Vögel der Agrarlandschaft am stärksten betroffen”, berichtet NABU-Vogelexperte Lars Lachmann.






