Text: Franzi Konitzer
Jede der drei Petrischalen enthält 13 Fleckchen Moos, jedes etwa so groß wie eine Murmel. Die Fleckchen sind grün, ein bisschen flauschig, wirken unscheinbar. Doch was hat dieses Moos nicht schon alles über sich ergehen lassen müssen: Ursprünglich kommt es aus der Antarktis, dem trockensten und kältesten Kontinent der Erde.
Im NASA Space Radiation Lab im US-Bundesstaat New York wurde es mit hochenergetischen Teilchen beschossen, jener Art von Strahlung aus dem Weltraum, der das Leben auf der Erde hilflos ausgeliefert wäre, würden die Atmosphäre und das Erdmagnetfeld nicht davor schützen. Anschließend wurden die Petrischalen ins All verfrachtet, genauer gesagt zur Internationalen Raumstation ISS. Dort durfte sich das Moos sieben Tage lang von seinen Strapazen erholen und die auf der Erde entstandenen Strahlungsschäden reparieren, wenn auch unter erschwerten Bedingungen: in der Schwerelosigkeit. Dann steckten die Astronauten das Moos in eine Tiefkühltruhe und schickten es im Dezember 2024 zurück zur Erde, wo es von der Pflanzenbiologin Agata Zupanska bereits sehnsüchtig erwartet wurde: In ihrem Labor an der University of Florida ging die lange Reise der so unscheinbaren Moosfleckchen zu Ende.
ARTEMOSS heißt dieses Experiment der US-Weltraumbehörde NASA. Mit ihm möchte Agata Zupanska herausfinden, wie das Moos aus der Antarktis Strahlungsschäden repariert und ob ihm dieses Kunststück auch unter den schwerelosen Bedingungen des Weltraums gelingt.
„Wenn wir Menschen jemals weiter hinaus in den Weltraum reisen wollen, müssen wir Pflanzen mitnehmen“, sagt Agata Zupanska. „Aber Weltraumstrahlung ist ein großes Problem für Raumschiffe, Menschen und so ziemlich alles, was wir beispielsweise auf dem Mond oder auf dem Mars anbauen würden. Deshalb habe ich nach Pflanzen gesucht, die Schutzmechanismen vor dieser Strahlung haben. Und dabei bin ich immer wieder auf Moose gestoßen.“
Moose sind Überlebenskünstler
Auf der Erde gelten Moose als Pionierpflanzen: Sie können dort wachsen, wo sonst nichts wächst. Das mag unter anderem daran liegen, dass sie keine Wurzeln haben. Deshalb bleiben sie klein und wachsen langsam – dafür aber so ziemlich überall, wo es Pflanzen mit Wurzeln zu ungemütlich ist: auf Felsen, Baumrinden, Ziegeln und Beton, an Wänden, in der Tundra und in Mooren. Moose sind in Hochgebirgen wie auch in Wüsten heimisch.
In der Antarktis wächst so gut wie nichts außer Moosen, die den größten Anteil der dort heimischen Flora darstellen. Die monatelange Dunkelheit, Trockenheit, Kälte, erhöhte UV-Strahlung durch die im Frühjahr dünnere Ozonschicht in der Antarktis: All das scheint den dort lebenden Moosen nichts auszumachen.





