Moore gibt es in den gemäßigten Breiten, aber auch in den Permafrostgebieten des hohen Nordens und als Sumpfwälder in den Tropen. Diese Feuchtgebiete sind ein wertvoller Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, gleichzeitig bilden sie einen wichtigen Kohlenstoffspeicher unseres Planeten. Denn die von Wasser bedeckten Torfmoose bleiben auch nach ihrem Absterben unter Luftabschluss eingeschlossen und werden dadurch nicht zersetzt. Als Folge bleibt das Pflanzenmaterial und der in ihm gebundene Kohlenstoff erhalten und sammelt sich im Laufe der Zeit in immer dicker werdenden Schichten an. Moore bedecken zwar nur etwa drei Prozent der Erdoberfläche, speichern aber insgesamt in etwa so viel Kohlenstoff, wie in der gesamten lebenden Vegetation der Erde zu finden ist. Deshalb gelten intakte Moore als wichtige CO2-Senken im Klimasystem.
Wendepunkt schon 1960
Doch schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden Moore zunehmend entwässert und für den Torfabbau genutzt oder in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. “Zwischen 1850 und 2015 haben die gemäßigten und borealen Regionen 26,7 Millionen Hektar natürlicher Moorfläche verloren, in den Tropen sind es 24,7 Millionen Hektar”, berichten Jens Leifeld vom Eidgenössischen Forschungsinstitut Agroscope in Zürich und seine Kollegen. Sie haben jetzt untersucht, welche Rolle die weltweiten Moore für die globale Treibhausgasbilanz spielen und wie sich dies in Zukunft verändern könnte – zum Guten oder Schlechten. “Die Landnutzung spielt eine besondere Rolle, denn sie kann als CO2-Senke oder als Quelle wirken”, so die Forscher. Für ihre Studie analysierten sie die vergangene Entwicklung der Moorflächen und simulierten in einem Modell, wie sich eine weitere Entwässerung oder aber eine Renaturierung der Moore auf die Treibhausbilanzen auswirken wird.
Die Auswertung ergab: Schon im Jahr 1960 war der Punkt erreicht, an dem die Moore weltweit betrachtet von der Netto-CO2-Senke zur CO2-Quelle geworden sind, wie Leifeld und sein Team berichten. Anders ausgedrückt: Inzwischen sind so viele Moorflächen entwässert und geben durch die Zersetzung ihres Pflanzenmaterials Treibhausgase ab, dass ihr Ausstoß die CO2-Aufnahme durch die verbliebenen intakten Moore übersteigt. Konkret errechneten die Forscher, dass der Treibhausgasausstoß der entwässerten Moorflächen im Jahr 2015 weltweit 1,53 Gigatonnen CO2-Äquivalenten betrug. Der größte Teil dieser Emissionen, 1,26 Gigatonnen, stammen dabei aus tropischen Moorgebieten. Die CO2-Aufnahme der intakten Moorflächen lagen 2015 dagegen weltweit nur noch bei 0,36 Gigatonnen CO2-Äquivalenten. “Das Moorland-Biom, eine in Langlebigkeit und Ausmaß fast beispiellose Kohlenstoffsenke, wurde durch die menschlichen Aktivitäten tiefgreifend umgewandelt und das Vorzeichen seiner Treibhausbilanz hat sich umgekehrt”, konstatieren Leifeld und sein Team.





