Mitleid lässt Menschen tatsächlich mitleiden: Es aktiviert die selben Gehirnregionen, die auch für das Schmerzempfinden zuständig sind. Das haben britische Forscher bei Untersuchungen der Gehirnaktivität von Frauen festgestellt, die entweder selbst Schmerzen erlitten oder zusahen, wie ihrem Partner Schmerz zugefügt wurde. Je mehr Mitleid die Frauen dabei empfanden, desto größer war auch die Aktivität ihres Schmerzzentrums. Das schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science (Bd. 303, S. 1157).
Einfühlungsvermögen und Mitgefühl helfen, persönliche Beziehungen zu bilden und auch zu erhalten. Diese so genannte Empathie ermöglicht es einem Menschen nachzuvollziehen, wie sich ein anderer fühlt, der traurig oder glücklich ist. Auf welchen neurologischen Vorgängen diese unbewusste Fähigkeit des Menschen basiert, ist jedoch noch weitgehend unbekannt. Wissenschaftler vermuten, dass die Beobachtung einer anderen Person in einem bestimmten emotionalen Zustand automatisch eine Darstellung dieses Zustandes im Beobachter aktiviert. Genau diese Vorstellung konnten Tania Singer und ihre Kollegen vom University-College in London jetzt in der Praxis nachweisen.
Die Forscher untersuchten mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie, welche Gehirnregionen aktiviert werden, wenn Versuchspersonen Schmerz an einer Hand verspürten. Anschließend ließen sie die Probanden zusehen, wie ihren Lebenspartnern auf die gleiche Weise Schmerz zugefügt wurde, und zeichneten dabei ebenfalls die Gehirnaktivität auf. Der Vergleich der beiden Aktivierungsmuster zeigte eine hohe Übereinstimmung: Alle Gehirnbereiche, die das Schmerzempfinden steuern, wurden sowohl bei eigenem als auch bei dem Partner zugefügten Schmerz aktiviert. Dagegen waren die Bereiche, welche die Informationen über die genaue Quelle und die Intensität des Schmerzes verarbeiten, nur bei selbst empfundenen Schmerzen aktiv.
Während der Untersuchung sollten die Probanden zusätzlich in einem Fragebogen angeben, wie stark sie mit ihrem leidenden Partner mitgelitten hatten. Diese Angaben verglichen die Forscher damit, wie stark die Aktivität der betreffenden Gehirnareale gewesen war, und fanden auch hier eine große Übereinstimmung: Je stärker das Mitgefühl der Probanden, desto höher war auch ihre Gehirnaktivität.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





