Weit verbreitete neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Alzheimer können nach einer neuen Studie mit Riechtests möglicherweise früher als bisher diagnostiziert werden. Die Tests gäben Monate oder sogar Jahre früher als herkömmliche Diagnosemethoden Hinweise auf eine entsprechende Erkrankung, erläuterte der Pharmakologe Prof. Gerd Kobal von der Universität Erlangen in einem dpa-Gespräch.
“Der Krankheits-Ausbruch kann verschoben werden, die Patienten kommen viel später in einen katastrophalen Zustand”, sagte Kobal. Eine frühe Diagnose verbessert nach seiner Darstellung unter Umständen die Heilungschancen. Allein in Deutschland seien rund 160 000 Menschen von Parkinson betroffen.
In der Studie stellte das Team um Prof. Kobal fest, dass bis zu 90 Prozent aller Parkinson-Patienten Probleme haben, Gerüche zu erkennen. Dies sei unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung auch schon in einem sehr frühen Stadium der Fall, sagte der Physiologe.
Der von dem Team entwickelte Test kann nach Kobals Worten die hohe Zahl von Fehldiagnosen, die auf bis zu 30 Prozent geschätzt wird, verhindern. Bisher werde Parkinson anhand von Symptomen wie dem typischen Zittern oder der Muskelstarre diagnostiziert. “Nur die Hälfte der Patienten leidet aber am Anfang unter dem typischen Zittern. 90 Prozent der Patienten in unserer Studie hatten dagegen Riechstörungen”, sagte Kobal. Bei Alzheimer und der Bewegungsstörung Chorea Huntington seien es rund 80 Prozent. Häufig werde auf Rheuma getippt oder es würden orthopädische Behandlungen verschrieben.
Ein Riechtest ist den Angaben zufolge aber nur ein zusätzlicher Indikator, denn es gebe auch in der Bevölkerung gesunde Menschen mit Riechstörungen. Bei dem laut Kobal europaweit angeblich einmaligen “Erlanger Test” müssen Patienten an Stiften riechen, die Duftstoffe wie Schuhleder, Zimt oder Kaffee enthalten. Die Patienten müssen dabei auch die Konzentration der Düfte bestimmen. “Der Test ist schnell, greift nicht in den Körper ein und ist billig”, sagte Kobal. Die Kosten beliefen sich auf eine Mark pro Person.
dpa





