Die Biene Megalopta genalis kann sich in den Regenwäldern Mittelamerikas auch in der Dunkelheit gut an Landmarken orientieren: Eine Art Restlichtverstärker im Gehirn ermöglicht ihr auch in der finsteren Tropennacht das Sehen. Das haben Forscher um Eric Warrant von der Universität im schwedischen Lund herausgefunden. Über ihre Entdeckung berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Current Biology (Bd. 14, S. 1309, DOI:10.1016/j.cub.2004.07.057).
Die Forscher beobachteten die nächtlichen Nektarsammler in Panama und fanden heraus, dass diese sich zunächst die Position ihres Nest anhand markanter Punkte in einem Orientierungsflug einprägen, ehe sie zu ihren Sammelflügen aufbrechen. Die Forscher verwendeten bei ihren Experimenten ein weißes Stück Karton, das den Bienen als Landmarke diente. Vor der Rückkehr der Bienen versetzten die Forscher dieses Orientierungszeichen. Prompt verflogen die Insekten sich auf dem Heimweg und konnten den unscheinbaren Bau im Unterholz des Regenwalds nicht wiederfinden.
Dass die Futtersuche bei Nacht nicht zum Blindflug wird, ist aber nur zum Teil durch eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit zu erklären: Das Auge der nachtaktiven Bienen ist nur dreißigmal lichtempfindlicher als das ihrer tagaktiven Artgenossen. Damit allein könne die Biene noch nicht gut genug im Dunkeln sehen, so die Forscher. Das ermöglichten erst spezielle Zellen, welche die Forscher im Gehirn der Insekten fanden. Diese Verstärkerzellen fassen die Nervensignale der Augen zusammen ? ähnlich wie ein Restlichtverstärker, wie er von Jägern oder beim Militär eingesetzt wird. Solche Geräte verstärken das auch in der Nacht noch minimal vorhandene Licht um einen Faktor von mehreren Tausend und ermöglichen so das Sehen.
Die Biene Megalopta ist eines der vielen Tiere des tropischen Regenwaldes, das die Futtersuche vom Tag auf die Nacht verlagert und sich an diese Lebensweise angepasst hat. Die Nacht bietet mehr Sicherheit, da viele Feinde nur am Tage aktiv sind.
ddp/bdw ? Benjamin Eckenfels





