Die illegale Fischerei ist ein weltweites Problem: Wer Fangquoten nicht einhält, seine Fischfänge nicht meldet und auf dem Schwarzmarkt handelt, gefährdet damit nicht nur die Bestände vieler beliebter Speisefische. Das nicht legale Fischen von Thunfisch und Co verursacht auch enorme wirtschaftliche Schäden. “Der illegale Handel mit Fisch und Meeresfrüchten macht eine kleine Zahl von Unternehmen auf Kosten der Gesellschaft reich”, erklären Rashid Sumaila von der University of British Columbia in Vancouver und seine Kollegen. Doch wie groß ist das Ausmaß dieser Verluste wirklich? Um dies herauszufinden, haben die Wissenschaftler nun Daten aus 143 Ländern analysiert – mit erschreckenden Ergebnissen.
Für seine Studie stützte sich das Forscherteam vor allem auf Informationen aus der Datenbank “Sea Around Us”, die offizielle Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu den Fischfängen einzelner Staaten mit Schätzungen zu nicht gemeldeten Fängen ergänzt. Nicht mitberücksichtigt wurden dabei undokumentierte Fänge für den Privatgebrauch sowie die Hochseefischerei jenseits der 200-Seemeilen-Grenze vor der Küste. Denn diese sei nur schwer einem einzelnen Land zuzuordnen und mache zudem nur einen kleinen Teil des globalen Fischfangs aus, wie das Team berichtet.
Ungemeldete Fänge
Die Auswertungen enthüllten: Wahrscheinlich holen Fischer jedes Jahr zwischen 7,7 und 14 Millionen Tonnen Fisch aus dem Meer, ohne dies ordnungsgemäß zu melden. “Damit tragen sie zu einem illegalen Handelssystem bei, das weltweit Nahrungs- und Wirtschaftssysteme gefährdet”, konstatieren die Forscher in einer Mitteilung. Ihren Berechnungen zufolge beläuft sich der wirtschaftliche Schaden dadurch auf insgesamt 26 bis 50 Milliarden US-Dollar. Die Steuerverluste liegen demnach bei zwei bis vier Milliarden.
Wie die Analysen offenbarten, sind jedoch nicht alle Staaten gleichermaßen betroffen. So gehen 85 Prozent aller Fangverluste durch illegale, unregulierte Tätigkeiten auf Länder in Asien, Afrika und Südamerika zurück. “Die substanziellen ökonomischen Effekte betreffen damit ausgerechnet Staaten, die sich diese Verluste kaum leisten können”, sagt Sumaila. Doch auch Deutschland entsteht der Studie zufolge Schaden: Für unser Land errechneten die Wissenschaftler an landesüblichen Preisen gemessen einen jährlichen Verlust an Bruttoeinnahmen von 4,5 bis 7,3 Millionen Dollar.
Trickreiche Umlademanöver
Wie Sumaila und seine Kollegen berichten, findet der illegale Fischhandel insbesondere auf drei Wegen statt: Erstens werden Fischfänge von mehreren Booten oftmals bereits auf hoher See auf größere Schiffe verladen und so illegale und legale Fänge miteinander vermischt. Nachzuvollziehen, woher der gefangene Fisch stammt, wird so deutlich schwieriger. Zweitens werden illegal gefangene Fische oftmals in großen Kühlcontainern exportiert. Denn diese unterliegen dem Team zufolge weniger strengen Inspektionsanforderungen. Eine dritte bewährte Strategie sei zudem der Verkauf auf lokalen Märkten, wo weniger kontrolliert wird.





