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Mikroplastik auch in Waldböden nachgewiesen
Biologie

Mikroplastik auch in Waldböden nachgewiesen

Mikroplastik ist längst allgegenwärtig: Überall auf der Erde – von Berggipfeln bis zur Tiefsee – lassen sich die winzigen Kunststoffpartikel nachweisen. Sie werden vor allem über Luft und Wasser transportiert und können dort, wo sie sich ansammeln, komplette Ökosysteme schädigen. Forscher konnten nun erstmals zeigen, dass sich Mikroplastik auch in Waldböden anreichert – mit potenziell fatalen Folgen für die ohnehin bereits durch den Klimawandel geschwächten Wälder.
Autor
Anna Manz
29. August 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Plastik ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken – und das hinterlässt Spuren in der Umwelt. Große Kunststoffteile zerfallen mit der Zeit zu winzigen Partikeln oder das Plastik wird direkt in mikroskopischer Größe hergestellt, zum Beispiel als Bestandteil von Kosmetika. Solche Mikroplastikpartikel finden sich inzwischen fast überall: in Meeren, Seen, der Luft und sogar im menschlichen Blut. Sie bauen sich nur sehr langsam ab und können beträchtliche Schäden anrichten, wo immer sie sich anreichern. Zu wissen, wo und in welchen Mengen Mikroplastik in der Umwelt landet, ist daher entscheidend, um die Risiken für Ökosysteme und Gesundheit besser einschätzen zu können.

Wissenschaftliche Waldspaziergänge

Bislang konzentrierten sich Untersuchungen zur Mikroplastikbelastung vor allem auf städtische und landwirtschaftlich genutzte Böden, während Wälder meist wenig Beachtung fanden. Um diese Lücke zu schließen, haben Collin Weber und Moritz Bigalke von der Technischen Universität Darmstadt nun erstmals systematisch untersucht, ob und in welchem Maße Mikroplastik auch in Waldböden gelangt und sich dort anreichert. Dafür entnahm das Team Proben an vier Waldstandorten östlich von Darmstadt.

Untersucht wurden sowohl die oberen Bodenschichten als auch herabgefallenes Laub und die sogenannte atmosphärische Deposition – Partikel, die aus der Luft auf die Erdoberfläche gelangen. Mithilfe von Modellen konnten die Forscher außerdem abschätzen, wie viel Mikroplastik seit den 1950er-Jahren theoretisch über die Luft in die Waldböden eingetragen worden sein könnte und wie sich die Partikel danach in verschiedenen Bodenschichten verteilt hätten.

Den Wald vor lauter Plastik nicht sehen

Das Ergebnis: An allen untersuchten Standorten ließ sich im Waldboden Mikroplastik nachweisen. „Die Mikroplastikkozentrationen der untersuchten Waldböden reichten von 120 bis 13.300 Partikeln pro Kilogramm, der Mittelwert lag bei 4.440 Teilchen pro Kilogramm Waldboden“, berichten Weber und Bigalke. Wie sie herausfanden, reichern sich die Partikel besonders stark in den oberen Laubschichten an, dringen aber auch in tiefere Bodenschichten ein. Damit liefert die Studie den ersten Beweis dafür, dass sich winzige Kunststoffpartikel auch in Waldböden ablagern. Und diese Ablagerung könnte verheerende Folgen haben: „Wälder sind bereits durch den Klimawandel gefährdet, und unsere Ergebnisse legen nahe, dass nun auch Mikroplastik eine zusätzliche Gefährdung für Waldökosysteme darstellen könnte“, sagt Weber.

Doch wie gelangt das Mikroplastik überhaupt in den Waldboden? „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Mikroplastik in Waldböden in erster Linie aus atmosphärischen Ablagerungen und vom herabfallenden Laub stammt“, erklärt Weber. „Das Mikroplastik aus der Atmosphäre setzt sich zunächst auf Blättern der Baumkronen fest. Dann werden die Partikel in Laubwäldern zum Beispiel durch Regen oder den herbstlichen Laubfall auf den Waldboden weitertransportiert.“ In den untersuchten Waldstücken setzten sich aus der Atmosphäre im Schnitt rund neun Mikroplastikpartikel pro Tag und Quadratmeter ab. Um die im Waldboden gemessene Plastikmenge zu erklären, müsste diese Menge 70 Jahre lang auf dem Boden deponiert worden sein. „Aber es könnten auch zusätzliche Mikroplastikquellen dazu kommen“, betonen die Forscher. Dazu gehören beispielsweise Plastikfolien und andere Kunststoffobjekte aus der Forstwirtschaft, aber auch Plastikmüll von Waldbesuchern. In tiefere Schichten gelangen die winzigen Kunststoffpartikel vermutlich durch die Zersetzung des Laubs und durch Aktivitäten von Bodenorganismen, die die Partikel weiter verteilen.

Quelle: Technische Universität Darmstadt; Fachartikel: Nature Communications Earth & Environment, doi: 10.1038/s43247-025-02712-4

KlimawandelKunststoffMikroplastikWaldWaldbodenWaldsterben

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