Weltweit wird immer mehr Plastik produziert und weggeworfen. Dadurch sind Kunststoffe in der Umwelt inzwischen allgegenwärtig. Durch Sonneneinstrahlung und mechanischen Abrieb zerfällt der Abfall dort im Laufe der Zeit zu Makro- und weiter zu Mikroplastik. Das sind Teilchen, die maximal 100 Zentimeter beziehungsweise maximal fünf Millimeter groß sind. „Diese unumkehrbare Plastikverschmutzung beeinträchtigt Arten, Populationen und Ökosysteme“, sagt Bruno Walther vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Auch an der deutschen Nord- und Ostseeküste findet sich Plastik in unterschiedlichen Größen, wie Studien an einzelnen deutschen Stränden belegen. Doch wie groß ist das Problem hierzulande und wie weit verbreitet ist das Mikroplastik?
Mikroplastik an fast allen Stränden
Dieser Frage sind Forschende um Walther im Rahmen des Citizen-Science-Projekts „Mikroplastikdetektive“ gemeinsam mit rund 300 freiwilligen Helfern nachgegangen. Dafür haben sie umfassende Proben an deutschen Stränden gesammelt und auf Mikroplastik untersucht. Sie nahmen 1129 Proben an 71 Orten an Nord- und Ostsee sowie entlang von Elbe und Weser – insgesamt 2,2 Tonnen Sand. Dieser wurde anschließend im Labor getrocknet, gesiebt und unter dem Mikroskop nach Plastikpartikeln durchsucht. Mit einem Spektrometer (ATR-FTIR) untersuchten die Wissenschaftler zudem, um welches Material es sich jeweils handelte.

Das Ergebnis: In 16 Prozent der Sandproben konnten die Forschenden Mikro- oder Makroplastik aus verschiedenen Kunststoffpolymeren nachweisen. Im Durchschnitt fanden sie etwa vier Plastikteilchen pro Quadratmeter der untersuchten Strandfläche. Die Plastik-Belastung variierte jedoch stark je nach Standort: Während an einigen Stränden viele Plastikreste vorlagen, waren es an anderen Orten gar keine. „Die höchsten Konzentrationen an Plastikpartikeln wurden an den Standorten Hohe Düne (26 Partikel pro Quadratmeter), Övelgönne 1 und Wassersleben (je 23 Partikel pro Quadratmeter) gemessen“, schreibt das Team. Diese Orte liegen auf dem Festland. Auffällig stark belastet war aber auch die Insel Norderney. „Die Standorte auf Norderney wiesen massen- und volumenmäßig deutlich höhere Schadstoffbelastungen auf.“
Insgesamt fand das Team jedoch weniger Plastik als erwartet. „Obwohl wir an 52 von 71 Stränden Plastik gefunden haben, war die Belastung durch großes Mikroplastik an der Nord- und Ostsee mengenmäßig geringer im Vergleich zu anderen Studien“, erklärt Walther. Diese Diskrepanz rührt wahrscheinlich daher, dass die Forschenden nur nach Plastikteilchen ab einem Millimeter gesucht hatten, unter anderem um den Bürgern die Probennahme zu vereinfachen. „Hätten wir kleinere Mikroplastikteilchen mit untersucht, wären wir sicherlich auf deutlich höhere Konzentrationen gekommen“, sagt Co-Autorin Melanie Bergmann vom AWI. Diese Vermutung basiert auf früheren Untersuchungen, in denen Teilchen, die kleiner als einen Millimeter sind, über 90 Prozent des gefundenen Mikroplastiks in der Nordsee ausmachten.





