Mikroben vom Stamm “121” können bis zu 130 Grad Celsius überleben ? und sich anschließend sogar noch teilen. Amerikanische Wissenschaftler entdeckten den neuen, extrem hitzestabilen Stamm von Mikroorganismen in einer heißen Quelle auf dem Meeresgrund. Über ihre Ergebnisse berichten Kazem Kashefi und Derek Lovley von der Universität von Massachusetts in Amherst in der Fachzeitschrift Science (Bd. 301, S. 934).
Kugelförmig, Durchmesser ein tausendstel Millimeter, Geißeln ? das sind die Kerndaten des neuen Weltrekordlers “Strain 121”. Die Mikroben gehören zu den Archaea und wachsen bei Temperaturen zwischen 85 und 121 Grad Celsius. Auch ein Erhitzen auf 130 Grad beeindruckt sie nicht besonders: Werden sie anschließend wieder in ihr normales Medium bei 105 Grad überführt, teilen sie sich weiterhin.
Die Entdeckung, dass es Lebewesen gibt, die Temperaturen von 121 Grad und mehr unbeschadet überstehen, ist besonders für Mediziner bemerkenswert. Die Sterilisation von Operationsbesteck und anderen medizinischen Geräten erfolgt nämlich bei 121 Grad in einem so genannte Autoklaven. Bisher war kein Organismus bekannt, der diese Prozedur überleben konnte, schreiben die Forscher.
Neben seiner Hitzebeständigkeit zeichnet “Strain 121” noch eine andere Besonderheit aus: Die Mikroben gewinnen ihre Energie nicht wie andere Kleinstlebewesen mit Hilfe von Sauerstoff, sondern sie verwenden Eisen. Möglicherweise sei dies sogar eine Bedingung für die extreme Hitzestabilität, vermuten die Wissenschaftler.
Das oberste Temperaturlimit für Leben sei ein Schlüsselfaktor bei der Aufklärung der Frage, wann und wo das Leben auf der heißen frühen Erde entstanden ist, schreiben die Forscher. Auch ob Leben unter der Erdoberfläche oder auch in heißen außerirdischen Umgebungen möglich wäre, könne dann abgeschätzt werden.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





