Distelfalter (Vanessa cardui) sind leuchtend orangefarbene Schmetterlinge mit einem kunstvollen schwarz-weißen Muster. Die farbenprächtigen Falter sind dafür bekannt, ausdauernde Langstreckenflieger zu sein: Jedes Jahr reisen die Distelfalter bis zu 10.000 Kilometer vom warmen Nordwesten Afrikas bis in die arktische Tundra in Schweden und wieder zurück, um die perfekten Umweltbedingungen zum Fortpflanzen, Brüten und Überleben zu finden. Dabei fliegen die Insekten im Frühjahr zunächst über das Mittelmeer nach Europa. Nachfolgende Generationen machen sich anschließend auf den Weg nach Großbritannien und Schweden, um dort den Sommer zu verbringen. Im Herbst kehren die Distelfalter dann in wärmere Regionen zurück.
„Jedes Individuum reist in einem Abschnitt des jährlichen Migrationszyklus und dessen Nachkommen setzten dann die Reise fort“, erklärt Co-Autorin Daria Shipilina von der Universität Uppsala. Diesem Staffelprinzip folgen alle Distelfalter, doch die Individuen fliegen dabei unterschiedlich weit: Während einige Schmetterlinge im Mittelmeerraum bleiben, reisen andere weiter nach Norden und später zurück nach Afrika und durchqueren sogar die Sahara. Warum das so ist, war bislang ein Rätsel. Forschende vermuteten allerdings, dass die Migrationsbewegungen der Falter genetisch gesteuert sind und sich in unterschiedlichem Aussehen widerspiegeln – ähnlich wie es bei einigen Zugvögeln nachgewiesen wurde.

DNA-Vergleich der Schmetterlinge
Ein Team um Erstautorin Megan Reich von der University of Ottawa hat nun zusammen mit Bürgerwissenschaftlern die unterschiedlichen Reiserouten der Distelfalter näher untersucht. Dafür reisten sie 2018 und 2019 in Regionen nördlich und südlich der Sahara – von Benin, Senegal und Marokko bis nach Spanien, Portugal und Malta – und sammelten dort mit Netzen 40 Distelfalter. Mithilfe von Isotopen-Geolokalisierung bestimmten sie dann die geografische Herkunft der einzelnen Schmetterlinge. „Das Prinzip dieser Methode besteht darin, dass die Zusammensetzung der stabilen Isotope von den Flügeln eines erwachsenen Schmetterlings die Isotopensignatur der Pflanzen widerspiegelt, die er als Raupe gefressen hat“, erklärt Shipilina. „Durch die Analyse von Wasserstoff- und Strontiumisotopen konnten wir die Herkunft dieser Schmetterlinge zurückverfolgen und abschätzen, wie weit sie gereist waren“, ergänzt Seniorautor Clement Bataille von der University of Ottawa. Zusätzlich sequenzierten die Biologen die DNA der Insekten und verglichen deren Gene.





