Das menschliche Gehirn scheint in der Evolution nicht nur größer geworden sein. Es hat auch einen speziellen Sinn für Gerechtigkeit entwickelt, schreiben amerikanische Autoren im Magazin “Proceedings” der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (Vorabveröffentlichung vom 12. August).
Die Anthropologen Leda Cosmides und John Tooby von der Universität in Santa Barbara stützen ihre These unter anderem auf Beobachtungen an einem Patienten. Bei ihm ist eine bestimmte Hirnregion beschädigt, die zum Gefühlssystem des Menschen gehört. Mit der Region war bei dem Patienten die Fähigkeit verloren gegangen, Betrüger zu erkennen: So bemerkte er bei Tests partout nicht, wenn sich in einem dargebotenen Tauschgeschäft einer der Partner einen unlauteren Vorteil verschaffte. Davon abgesehen zeigte der Patient jedoch normale soziale Fähigkeiten.
In weiteren Untersuchungen legten die Anthropologen ähnliche Aufgaben Harvard-Studenten und einem Eingeborenenvolk am Amazonas vor. Sowohl die Studenten als auch die Amazonasbewohner erkannten die Betrüger ohne Probleme. Cosmides und Tooby glauben nun, dass diese universale Fähigkeit des Menschen von einer Hirnregion hervorgebracht wird, die bei dem untersuchten Patienten ausgefallen ist.
ddp/bdw – Andreas Wawzrinek





