Auf unserem Planeten sind Erosion und Bodenbildung zwei sich ergänzende natürliche Prozesse, die stark vom Klima gesteuert werden und sich im Idealfall langfristig ausbalancieren. In manchen Gegenden, vor allem in den Bergen, wird der Untergrund jedoch schneller abgetragen als sich neuer Boden bilden kann. Bekannt ist, dass neben dem Klima auch die Landwirtschaft stark zur Erosion der Böden beiträgt. Doch wie groß ist ihr Einfluss in den Bergen genau?

Sedimente enthüllen Erosions-Phasen in den Alpen
Das haben nun Forschende um William Rapuc von der Universität Savoie Mont-Blanc in Chambéry anhand der Europäischen Alpen untersucht. Dafür nahmen sie mit einem Bohrer Sedimentproben vom Grund des Lac de Bourget – einem großen Bergsee in den französischen Alpen, der sich nach der letzten Eiszeit gebildet hat. Über drei Zuflüsse sammelte sich darin erodierter Boden aus Einzugsgebieten rund um das Mont-Blanc-Massiv. Zusätzlich schwemmte bei Hochwasser die Rhône Sedimente zurück in den höhergelegenen See. In den bis zu 9500 Jahre alten Gesteinsproben suchten die Geologen nach Lithium-Isotopen und verglichen diese in den einzelnen Sedimentschichten des Sees sowie mit Bodenproben aus den Zuflüssen des Sees, die neueren Datums sind. Die Lithium-Isotopen geben Aufschluss darüber, in welchen Phasen überwiegend Verwitterung und Erosion stattfanden und wann sich neues Erdreich bildete.
Die Gesteinsanalysen ergaben: „Während der frühen Phase der Aufzeichnungen, von vor 9500 bis vor 6200 Jahren, blieb die physische Erosion gering und relativ stabil“, so das Team. Damals war das Klima in den Alpen warm und trocken, Bodenbildung und Erosion hielten sich die Waage. Dann wurde das Klima kälter und nasser, die Erosion nahm leicht zu. Mit dem Ende der Eiszeit kehrte sich dieser Trend jedoch wieder um, neuer Boden entstand. In den letzten 3800 Jahren gab es dann drei Phasen starker Erosion, die beinahe nahtlos ineinander übergingen und in denen die Erosion jeweils weiter zunahm. Insgesamt lief die Erosion seither vier-bis zehnmal so schnell ab wie die gleichzeitige Bodenneubildung. Dabei wurde das Erdreich so stark abgetragen, dass sich das Gestein nun nahezu wieder in seinem „Ausgangszustand“ der Messreihe vor rund 10.000 Jahren befindet. Die natürliche Balance aus Auf- und Abbau des Erdreiches wurde damit zunichte gemacht.





