Einst haben die Folgen von Asteroideneinschlägen, Vulkanausbrüchen oder anderen Naturgewalten für drastische Veränderungen der irdischen Umwelt gesorgt. Doch hinter dem aktuellen Wandel steckt nun bekanntlich das Werk des Menschen: Umweltzerstörung, Ausbeutung und der Klimawandel verändern die Bedingungen auf der Erde rasant. Viele Lebewesen kommen damit nicht zurecht und ihr Überleben ist in Gefahr. Andere sind dagegen flexibler und manche scheinen sich sogar an die vom Menschen geprägten Umweltveränderungen anpassen zu können.
Inwieweit dies auch schon auf evolutionäre Prozesse zurückzuführen ist, bleibt allerdings unklar: Es gibt bisher nur wenige konkrete Beispiele für deutliche Merkmalsänderungen in der Folge von anthropogenen Einflüssen. Ein Fall ist allerdings berühmt geworden: die Geschichte des Birkenspanners in Großbritannien. Im Zuge der intensiven Luftverschmutzung in den 1800er Jahren passte der Falter seine Tarnfarbe der dunkler werdenden Baumrinde in den betroffenen Lebensräumen an.
Ein besonderes Beispiel der Farbanpassung
Nun berichtet ein Forschungsteam der neuseeländischen University of Otago von einem weiteren Fall der Anpassung an anthropogene Veränderungen. Im Visier standen dabei zwei Vertreter der Steinfliegen (Plecoptera), die an Flüssen in Neuseeland leben und zwei unterschiedliche Schutzmechanismen vor Fressfeinden entwickelt haben. Wie die Forschenden berichten, bilden die schwarzen Austroperla-Steinfliegen in ihrem Körper ein Gift, um Fressfeinde abzuschrecken: Wenn ein Vogel einmal ein Exemplar verspeist hat, weiß er, dass ihm das nicht gut bekommt und wird deshalb diese auffallend dunkel gefärbten Insekten in Zukunft meiden.
Dieses Konzept haben sich die gemeinsam mit den „Giftmischern“ vorkommenden Zelandoperla-Steinfliegen in Form einer sogenannten Mimikry zunutze gemacht, berichtet das Team: Sie imitieren die dunkle Warnfärbung der Austroperla-Steinfliegen, sind aber ungiftig. So werden sie von Räubern gemieden, können sich aber die aufwendige Toxin-Produktion sparen. Wie die Forschenden erklären, ist dieses Mimikry-Konzept im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Zelandoperla-Steinfliegen durch Selektionsprozesse entstanden. Die intensivere Dunkelfärbung beruht dabei auf der Aktivität eines Gens, das für die Produktion des dunklen Farbstoffs Melanin sorgt.
Nutzlose Maskerade wird eingespart
Nun konnten die Forschenden dokumentieren, dass sich diese evolutionäre Anpassung im Zuge eines menschlichen Einflusses wieder zurückentwickelt hat. Sie stellten fest, dass die Zelandoperla-Steinfliegen an Flüssen in abgeholzten Regionen Neuseelands keine dunkle Färbung mehr besitzen. Sie haben ihr Mimikry-Konzept dort also aufgegeben. Wie sich zeigte, ist der Grund dafür das Verschwinden der Vorbildart in diesen anthropogen geprägten Lebensräumen. Denn die giftigen Austroperla-Steinfliegen sind auf Wälder an den Flussufern angewiesen. „Durch die weiträumige Abholzung der Wälder seit der Ankunft des Menschen wurden die giftigen Steinfliegen vertrieben. Infolgedessen hat die nachahmende Art in den abgeholzten Regionen ihre Mimiky-Strategie aufgegeben, da es nichts zu imitieren gibt, und stattdessen eine helle Farbe entwickelt“, sagt Senior-Autor Jon Waters von der University of Otago.





