Tropenwälder sind ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Zudem speichern sie große Mengen CO2 aus der Atmosphäre und regulieren den Wasserhaushalt ganzer Ökosysteme. Die Wälder sind daher zum Erhalt der biologischen Vielfalt und des Klimas unerlässlich. Der Mensch zerstört die Tropenwälder jedoch zunehmend. Er holzt riesige Flächen ab, um sie für die Landwirtschaft, den Bergbau oder für Infrastruktur wie Straßen oder Siedlungen zu nutzen. Doch selbst die verbleibenden, benachbarten Waldgebiete werden durch Folgeeffekte dieser menschlichen Einflüsse und dadurch veränderte Umweltbedingungen kontinuierlich fragmentiert und geschädigt. Diese Waldschädigungen wurden bislang aber häufig übersehen und vernachlässigt.
Randeffekte untersucht
In welchem Ausmaß der Mensch durch diese Effekte in die Waldstruktur und Biomasse feuchter Tropenwälder weltweit eingreift, hat nun erstmals ein Forschungsteam um Clement Bourgoin vom Forschungszentrum der Europäischen Kommission mit Sitz im italienischen Ispra analysiert. Die Daten zum Zustand der Wälder stammten von Laserscannern auf der Internationalen Raumstation ISS sowie aus Satellitenbildern aus den Jahren 1990 bis 2022. Durch die Kombination dieser Fernerkundungsdaten haben die Forschende die langfristigen Auswirkungen des menschlichen Verhaltens auf Tropenwälder untersucht.
Die Datenanalyse ergab, dass sich an den Waldrändern neben für Landwirtschaft und Straßen gerodeten Flächen die Höhe der Baumkronen und die Biomasse des Waldes um 20 bis 30 Prozent verringerten. Es wuchsen demnach infolge der Abholzungen nebenan weniger und niedrigere Bäume. Grund dafür waren mikroklimatische Veränderungen an den Waldrändern, die sich bis zu 1500 Meter weit ins Waldinnere auswirkten, wie Bourgoin und seine Kollegen berichten. Zuvor waren solche Randeffekte nur bis zu 120 Meter vom Rand entfernt beobachtet worden. Durch selektive Abholzung und Rodung kleinerer Flächen reduzierte sich in der Umgebung zudem ebenfalls die Baumhöhe um 15 beziehungsweise 50 Prozent, wie die Daten zeigten.
Insgesamt waren durch diese Rand- und Folgeeffekte menschlichen Tuns 18 Prozent der im Jahr 2022 noch bestehenden tropischen Regenwälder bedroht – etwa dreimal mehr Fläche als zuvor angenommen. Die Abholzung könnte sich zudem auch noch 20 bis 30 Jahre lang auf die Struktur der verbliebenen Tropenwälder, beispielsweise die Baumkronen, auswirken, weil sich diese durch die Schäden nun schlechter erholen können als intakte Wälder, so das Team. Wie gut sich die Tropenwälder erholen werden, hänge jedoch auch vom weiteren Verhalten des Menschen und dem Verlauf des Klimawandels ab.
Mehr Schutz der Tropenwälder gefordert
„Insgesamt zeigt die Studie, dass die Auswirkungen der Degradierung auf die Baumkronenstruktur größer sind als bisher bekannt war“, sagt Co-Autor Gregory Duveiller vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Der menschliche Fußabdruck in den Regenwäldern der Tropen ist demnach größer als bisher angenommen. Damit unterstreicht die Studie nach Ansicht der Forschenden, dass die ökologisch wichtigen Wälder dringend geschützt werden müssen. Dass der weltweite Waldverlust dringend gestoppt werden muss, betonten auch die Vereinten Nationen kürzlich auf ihren Konferenzen zum Klimawandel und zur biologischen Vielfalt.





