Die Wälder schrumpfen: Vor allem in den Tropen schreitet die Entwaldung durch Abholzung und Brände rapide voran. Doch damit schwinden auch die “Grünen Lungen” unseres Planeten und wichtige Senken im Klimasystem. Denn das Wachstum von Bäumen bindet Kohlendioxid aus der Luft und trägt so dazu bei, den Klimaeffekt der von uns emittierten Treibhausgase auszugleichen. Um gerade Entwicklungsländern einen stärkeren Anreiz zum Waldschutz zu geben, wurde das Programm REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation Plus) initiert. Dieser internationale Mechanismus fördert nachhaltige Bewirtschaftung und Wiederaufforstung von Wäldern und belohnt Länder dafür mit Geld und CO2-Gutschriften. Zurzeit gibt es weltweit mehr als 350 REDD+-Projekte.
Mehr Schaden als Nutzen?
Doch wie wirksam sind diese Projekte? Trägt der REDD+-Mechanismus tatsächlich zum Waldschutz bei? Um das zu klären, haben nun Forschende um Yuzhi Tang vom Guangdong Laboratory of Artificial Intelligence and Digital Economy (SZ) in China 52 REDD+ Initiativen näher unter die Lupe genommen. Für ihre Analyse verglichen sie die Projektgebiete in 14 tropischen Ländern in Lateinamerika, Afrika und Südostasien mit synthetischen Vergleichsszenarien ohne Schutzmaßnahmen. Diese haben ähnliche Umwelt- und Lebensbedingungen, nehmen aber nicht an REDD+ teil. Dadurch ließ sich nachvollziehen, ob die REDD+-Projekte tatsächlich Entwaldung verhindern konnten und ob die vergebenen CO₂-Gutschriften auf echten Klimaschutzeffekten beruhen.
Das Ergebnis: Ein Drittel der REDD+-Projekte hatte deutlich weniger Entwaldung als erwartet. Besonders erfolgreich waren Projekte in Brasilien. Doch fast 20 Prozent der Regionen hatten sogar mehr Waldverlust als die Vergleichsflächen ohne spezielle Schutzmaßnahmen. Als zwei besonders krasse Beispiele nennen Tang und seine Kollegen das brasilianische Projekt Serra do Amolar und ein Waldkorridor-Projekt auf Madagaskar. „Beide zeigen mit mehr als 1500 Hektar pro Jahr den höchsten Waldverlust gegenüber den Kontrollflächen”, berichtet das Team.
Geschönte Zahlen
Auffallend auch: In rund 35 Prozent der Initiativen lagen die angegebenen Ausgangswerte für Entwaldung deutlich über den tatsächlichen Daten.
Wenn jedoch diese Ausgangswerte zu hoch angesetzt werden, wirkt es im Nachhinein so, als hätte man besonders viel Wald gerettet – obwohl das gar nicht stimmt. Besonders deutlich zeigte sich das in Kolumbien, wo die Entwaldungsgefahr teils um das Zehnfache überschätzt wurde. Das bedeutet jedoch auch, dass für solche Projekte mehr CO2-Gutschriften vergeben werden als eigentlich „verdient” wurden.





