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Wahrscheinlich hat der Appetit sie ins Wasser gelockt, vor etwa 50 Millionen Jahren: Die älteste bisher bekannte Urform der Seekühe stammt aus einer Fossilienlagerstätte in Jamaika. Ihre Knochen lagen im versteinerten Schlick einer urzeitlichen Lagune oder Flussmündung. Dieser Lebensraum könnte, wie seine heutigen Pendants auch, reich an allerlei Grünfutter gewesen sein – sprich Algen und Seegras. Ein gut gedeckter Tisch für diejenigen, die solche pflanzliche Kost zu nutzen wissen.
Ihre Vorliebe für Vegetarisches behielten die Seekühe in ihrer evolutionären Entwicklung bei. Die Sirenia, wie Fachleute sie nennen, sind die einzigen Säuger, die komplett an aquatische Habitate angepasst sind und sich pflanzenbasiert ernähren – im Gegensatz zu Robben, Walen und Delfinen, die alle auf Fisch, Fleisch, Mollusken oder Krill zurückgreifen. Der starke Fokus auf Grünfutter stellt den Verdauungsapparat vor gewisse Herausforderungen. Denn Seegras und Co. sind nicht unbedingt leichte Kost; sie enthalten meist massig Zellulose, welche sich mit tierischen Enzymen kaum verarbeiten lässt. Und anders als ihre Namenscousinen an Land, verfügen Seekühe nicht über mehrere Mägen. Stattdessen hat sich die Evolution etwas anderes ausgedacht: „Seekühe ähneln bei der Verdauung den Pferden“, erklärt der Biologe Aarin Allen von der Florida International University in Miami. Ein Großteil der Essensverwertung findet bei beiden im Hinterdarm statt. Der funktioniert praktisch wie eine Gärkammer, in dem Mikroorganismen die Arbeit erledigen. „Das ist ein langsamer Prozess“, betont Allen. Aber Sirenia haben’s normalerweise eh nicht eilig.
Einst schien die Gruppe deutlich weiter verbreitet und artenreicher gewesen zu sein. Heute kommen weltweit nur noch vier verschiedene Seekuh-Spezies vor: Der Dugong (Dugong dugon) bewohnt die Küstengewässer des Roten Meeres, des Indischen Ozeans und des westlichen Pazifiks, während der Karibik-Manati (Trichechus manatus) von der US-amerikanischen Ostküste bis nach Brasilien anzutreffen ist. Auf der gegenüberliegenden Seite des Atlantiks liegt die Heimat des Afrikanisches Manatis, zoologisch Trichechus senegalensis. Er tritt vor allem in den Flüssen, Seen und Brackwasserhabitaten zwischen Mauretanien und Angola auf. Der vierte im Bunde ist Trichechus inunguis, zu Deutsch der Amazonas-Manati. Dies ist die einzige reine Süßwasserart und kommt nur im Einzugsgebiet des gleichnamigen Stroms vor.
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Der Karibik-Manati gilt als die am besten erforschte Art. Wissenschaftler unterteilen sie in zwei verschiedene Subspezies: T. manatus latirostris aus den USA und T. manatus manatus, welche den Rest des Verbreitungsgebiets besiedelt hat. Erstere ist hauptsächlich in Florida zu finden. Der Bundesstaat bietet den Tieren über 2.000 Kilometer Küstenlinie, unzählige Buchten, Lagunen und Deltakanäle. Dazu kommen noch reichlich Sümpfe, Seen und Flüsse, in denen die Manatis eigentlich immer etwas zu fressen finden.
„Sie sind bei der Futtersuche ziemlich flexibel“, sagt Aaron Wirsing, Biologe an der University of Washington in Seattle. So wie sein Kollege Aarin Allen befasst sich auch Wirsing schon seit Jahren intensiv mit der Lebensweise von Seekühen. Im Gegensatz zu Dugongs haben Floridas Manatis einen überaus vielfältigen Speisezettel. Sogar Blätter von Mangrovenbäumen werden gerne genommen, obwohl das für die massiven Tiere ein ganz schöner Kraftakt werden kann: Um die Blätter zu ergattern, müssen sich die manchmal über vier Meter langen und mehr als 1.000 Kilo schweren Manatis oft ein wenig aus dem Wasser erheben. Abgerissen werden die Leckerbissen dann mit gespitztem Maul. „Dazu haben sie greiffähige Lippen“, erklärt Wirsing. Deren erstaunliche Beweglichkeit ähnelt der von Elefantenrüsseln, meint der Forscher. Und tatsächlich sind Sirenia auch entfernt mit diesen Dickhäutern verwandt.
In Bezug auf ihre Verpflegung brauchen Seekühe jedoch vor allem eins: Masse. Berechnungen zufolge benötigen Manatis täglich zwischen 4 und 13 Prozent ihres Körpergewichts an Futter, Dugongs sogar 10 bis 15 Prozent. Für die Ernährung Letzterer müssten, agrarwirtschaftlich ausgedrückt, pro Tier jährlich 3,5 Hektar marines „Weideland“ zur Verfügung stehen.
„Das Futter, das sie fressen, ist nicht sehr nahrhaft“, betont Aaron Wirsing. Seegras enthält pro Kilo nur wenig Kalorien, auch die Protein- und Fettgehalte sind gering. Evolutionär gesehen sind die schwerleibigen Wasserbewohner optimal auf solche Kost eingestellt. „Alles in ihrem Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, knappe Nährstoffe möglichst effizient aus qualitativ geringwertigem Futter zu holen.“ Mitunter weichen Seekühe auch von ihrem vegetarischen Lebensstil ab. Wenn sich zum Beispiel nach einer Algenblüte Seescheiden stark vermehren, werden diese anscheinend gezielt von Manatis eingesammelt, berichtet Wirsing. Das sei für sie eine Gelegenheit, mal Reichhaltigeres zu verspeisen. Solche Festmähler können allerdings tragisch enden. Die Toxine der Rotalgen sind für die Seescheiden, die sich von ihnen ernähren, nicht tödlich, für Sirenia dagegen schon.
Die Seekühe des indopazifischen Raums haben stattdessen einen enger gefassten Geschmack. „Der Dugong ist wirklich ein Seegras-Spezialist“, sagt Aaron Wirsing. Auf den Unterwasserweiden sprießen verschiedene Spezies, die sich ernährungstechnisch unter anderem in ihrem Proteingehalt unterscheiden. Das scheinen auch die Tiere zu wissen: In tropischen Gewässern suchen Dugongs vor allem Weidegründe mit möglichst dichtem Seegrasbewuchs auf. So werden sie vermutlich leichter satt. Vor der südlichen Küste des australischen Bundesstaats Queensland ist das Meer jedoch etwas kühler. Hier gehen die schwimmenden Herbivoren bevorzugt an dünner bewachsene Unterwasserweiden aus den Seegrasgattungen Halodule und Halophila. Die Seegräser dieser Gattungen sind typische Pionierarten mit einem relativen hohen Proteingehalt, bilden aber nicht so viel Biomasse aus wie andere Spezies. Aaron Wirsing vermutet, dass sich die Dugongs mit der eiweißreichen Kost besser gegen die niedrigeren Temperaturen am Rande ihres Verbreitungsgebiets wappnen. Seekühe haben nämlich keinen Blubber, keine dämmende Speckschicht, unter ihrer durchaus dicken Haut. Das mache die Tiere anfällig für Kälte.
Mit ihrem großen Appetit können Sirenia die Unterwasservegetation stark beeinflussen. Einige Seegras-Spezies reagieren mit verstärktem Wuchs, nachdem sie abgegrast wurden, andere ändern ihre interne Chemie, indem sie die Konzentration der Abwehrstoffe erhöhen. Das ist auch an Land ein übliches Phänomen, erklärt Aaron Wirsing. Für Seekühe können solche Reaktionen durchaus von Vorteil sein; ihr Futter bekommt mitunter einen höheren Nährwert, zum Beispiel durch mehr Proteine.
Abgesehen davon werden abgegraste Flächen oft von den bereits erwähnten hochwertigen Pionierarten besiedelt. Florida-Manatis scheinen regelmäßig und gezielt zu solchen Futterplätzen zurückzukehren, vielleicht um genau diesen Effekt auszunutzen. Eine primitive Form von Landbewirtschaftung sozusagen.
Wie die Tiere eine derartige Flächenrotation koordinieren könnten, bleibt bisher völlig ungeklärt und wird unter Forschenden stark diskutiert, meint Aaron Wirsing. Dugongs und Manatis müssten irgendwie in der Lage sein, den korrekten Zeitpunkt für ein erneutes Abgrasen einzuschätzen. Das würde eine gut entwickelte Zeitwahrnehmung in Kombination mit einem räumlichen Gedächtnis erfordern. Vielleicht, so spekuliert Wirsing, steckt ein sozialer Lernprozess dahinter. Bei verschiedenen Walarten wurde eine solche Wissensweitergabe schon aufgezeigt. Über das Sozialverhalten von Sirenia ist bislang allerdings nur wenig bekannt. Sie gelten oft als eher solitär, werden aber trotzdem häufig in Verbänden von rund einem Dutzend Tieren angetroffen, in denen sie anscheinend über komplexe Lautäußerungen miteinander kommunizieren. Ihre Fähigkeit zur Navigation ist jedenfalls bestens ausgeprägt: Für Florida-Manatis sind regelmäßige Wanderungen zu festen Zielen belegt; ein auf den Namen Chessie getauftes Männchen zog Mitte 1990 sogar mehrfach über 1.400 Kilometer weit die US-Ostküste entlang nordwärts und kehrte anschließend wieder nach Florida zurück. Eine beeindruckende Leistung.
Im Normalfall neigen Seekühe jedoch nicht zu sportlicher Aktivität. „Wenn Manatis nicht fressen, lungern sie ruhend an der Wasseroberfläche herum“, berichtet Aaron Wirsing. Dann könne man sich ihnen auch leicht nähern. „Sie haben absolut keine Angst vor Menschen. Es sind äußerst entspannte Tiere.“ In Florida ist es darum streng verboten, die Manatis von sich aus zu berühren oder gar zu streicheln. Die zutraulichen Tiere sollen sich nicht noch mehr an den Menschen gewöhnen.
Fressen und gefressen werden
Dugongs hingegen sind nicht so entspannt, weiß der Wissenschaftler aus jahrelanger Beobachtung. Diese Art wurde und wird noch immer gejagt, unter anderem legal durch australische Aborigines. Und die indopazifischen Sirenia müssen auch schwimmende Fressfeinde fürchten, erklärt Wirsing. Vor allem Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) scheinen gezielt Dugongs nachzustellen. Diese bis zu fünf Meter langen Raubfische patrouillieren im Flachwasser über Seegraswiesen auf der Suche nach Beute; in ihren Mägen fanden australische Forscher schon mehrfach Dugong-Fleisch.
Doch die Gejagten stehen der Gefahr nicht machtlos gegenüber. Aaron Wirsing hat ihre Verhaltensstrategien vor Ort in der Shark Bay an der Westküste Australiens untersucht. Wenn Tigerhaie in der Nähe sind, verbringen die Seekühe mehr Zeit im tieferen Wasser außerhalb der Seegrasfelder, erläutert der Experte. Dort können sie ihren Häschern leichter entkommen. „Das ist eine Frage des Manövrierraums“, sagt Wirsing. Im Flachen gebe es kaum Platz, um einem Hai auszuweichen; im offenen Wasser dagegen seien die Pflanzenfresser durch Wendigkeit und Tempo überlegen. „Dugongs sind schnell“, betont der Biologe. Auf kurzen Strecken schaffen die Tiere eine Geschwindigkeit von etwa 20 Stundenkilometern. „Sie sehen dann wie große, braune Torpedos aus.“ Tigerhaie würden eine so davoneilende Beute wahrscheinlich kaum verfolgen. Zu viel Energieverbrauch, meint Wirsing.
Auch beim Futter passen Dugongs ihr Verhalten offenbar der Bedrohung an. Die Tiere fressen gerne die unterirdischen Rhizome, sprich wurzelähnlichen Geflechte von Seegräsern, welche sie aus dem Boden wühlen. Wenn allerdings Haie in der Gegend unterwegs sind, verzichten die Seekühe darauf und weiden nur den oberen Graswuchs ab. Dadurch wird das verräterische Aufwirbeln von Sedimenten verhindert. Eine solche Wassertrübung lockt die Raubfische an und behindert den Dugongs die Sicht auf mögliche Angreifer, erklärt Aaron Wirsing. Da halten sich die Herbivoren dann lieber zurück.
Tödliche Boote
Die internationale Naturschutzorganisation IUCN stuft alle vier Sirenia-Spezies derzeit als „gefährdet“ ein. Die Bestände der Karibik-Manatis Trichechus manatus manatus und von Dugongs schrumpfen; wie sich die Populationen der T. senegalensis und Amazonas-Manatis entwickeln, ist momentan unbekannt. Hoffnungsvolles gibt es diesbezüglich nur über die Florida-Manatis zu berichten. Dank verschiedener Schutzmaßnahmen konnte ihre Zahl in den vergangenen Jahrzehnten wieder anwachsen – von rund 1.200 im Jahre 1991 auf mittlerweile circa 8.500 Exemplare. Damit sind die Tiere aber noch lange nicht in Sicherheit, wie Fachleute betonen. Der intensive Bootsverkehr stellt eine ständige Gefahr dar, erklärt Aaron Wirsing. Jährlich werden Dutzende Manatis durch schnell fahrende Yachten und dergleichen getötet, 2025 waren allein in Florida 76 solche Opfer zu beklagen. Hunderte weitere sind nach Kollisionen für den Rest ihres Lebens vernarbt. „Boote sind noch immer die größte Bedrohung“, meint auch Aarin Allen. „Und es wird nur wenig dagegen unternommen.“
Seekuh-Fast-Food
Die amerikanischen Seekühe scheinen jedoch noch ein ganz anderes Problem zu haben: Fehlernährung. Und das liegt am Futterangebot, erklärt Allen. Viele von Floridas Gewässern leiden unter chronischer Wasserverschmutzung. Stickstoff- und Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft und aus Kläranlagen führen zu Überdüngung, erläutert der Biologe. Diese sogenannte Eutrophierung kurbelt das Algenwachstum an, vor allem die Vermehrung von einzelligen Arten. 2011 kam es deshalb in der Indian River Lagune an der Ostküste Floridas zu einer verheerenden Algenblüte, die fast ein Jahr lang dauerte. Währenddessen trübte die enorme Masse an schwebenden Mikrogewächsen das Wasser, wodurch nur wenig Sonnenlicht eindringen konnte. Das wiederum ließ ein Großteil der Seegraswiesen in der Lagune absterben. Eine gefährliche Kettenreaktion.
Zunächst schien das die Manatis nicht wirklich zu beeinträchtigen. Sie begannen, statt Seegras mehr Großalgen zu fressen, deren Wachstum ebenfalls von der Eutrophierung begünstigt wurde. Solche Algenkost unterscheidet sich allerdings stark von ihrem eigentlichen Hauptfutter, wie Aarin Allen berichtet. Seegras enthalte viel mehr Fasern. Diese Ballaststoffe seien für die Pflanzenfresser besonders wichtig, weil sie die Verdauungsgeschwindigkeit regulieren und die mikrobielle Aktivität im Hinterdarm fördern. Die Großalgen dagegen bieten den Manatis zwar leicht verfügbare Kalorien, aber nicht genug andere essenzielle Nährstoffe – sozusagen Seekuh-Fast-Food. Zu viel davon tut den Tieren offenbar so gar nicht gut. In den Jahren 2021 bis 2022 starben in Florida ungewöhnlich viele von ihnen; ihre Kadaver wiesen bei Autopsien oft Darmschäden und Anzeichen von Mangelernährung auf.
Die Ernährungsökologie muss im Artenschutz besser berücksichtigt werden, fordert Aarin Allen. Zum Glück hätten Seegraswiesen in der Indian River Lagune inzwischen angefangen, sich zu erholen. Und hoffentlich steht den Manatis dann bald auch wieder genug gesundes Futter zur Verfügung. //
Eine aktuelle Dugong-Volkszählung von 72 Forschenden ergab 2025 einen geschätzten Bestand von 166.000 Dugongs. Die meisten von ihnen leben im Arabischen Meer und in australischen Gewässern – ihre Populationen gelten als stabil. In Ostafrika und Ostasien sowie um einige dortige Inseln gibt es kleine und wenig stabile Bestände. Gerade die kleinen Vorkommen etwa vor Inseln sind durch ihre kleinen Genpools besonders anfällig für Umweltveränderungen. Ihr Management wird dadurch erschwert, dass mehrere Gruppen auch über Ländergrenzen hinweg wandern. Darum waren die Dugongs auch Thema der Artenschutzkonferenz für wandernde Arten (CMS COP15) Ende März in Brasilien: Dabei ging es um eine bessere Datenbasis, um die grauen Meeresbewohner und ihre Seegras-Lebensräume über Landesgrenzen hinweg effektiver schützen zu können.
Vor Mauritius und seit 2022 auch in China gelten die Tiere als „funktional ausgestorben“, wie ein Forschungsteam der Zoological Society of London und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften feststellte. Seit 1975 starben dort immer mehr Dugongs durch den Verlust ihrer Lebensräume, Schiffskollisionen und Wilderei, seit 2008 hatte es keine zuverlässige Sichtung mehr gegeben. Auch ein Exemplar, das 2025 in einem Seekuhschutzgebiet um Yongshu Reef entdeckt wurde, änderte an der Einstufung nichts – es sind zu wenige, um sich erfolgreich fortzupflanzen.
Wie auch die anderen Seekuh-Arten, sind Dugongs vielen Gefahren ausgesetzt: In ärmeren Ländern verfangen sich viele Seekühe in Fischernetzen, viele davon ertrinken. Da diese Küstenfischerei aber unentbehrlich für die Ernährung der regionalen Bevölkerung ist, kommen Fischereiverbote nicht infrage – die Wissenschaftler müssen andere Lösungen finden. In manchen Ländern werden die Seekühe auch gezielt bejagt, als Nahrung, „Medizin“ oder als Mutprobe – hier hilft nur Aufklärung.
Dugong
Vor der südthailändischen Andamanen-Küste lebten 2022 noch rund 273 Seekühe, seitdem wurden aber immer mehr von ihnen tot oder geschwächt angespült. Grund ist vermutlich die schnelle Veränderung verschiedener Umweltfaktoren. Während 2023 in der Andamanensee zunächst kühlere Temperaturen herrschten, stiegen sie Mitte 2024 dann ungewöhnlich hoch an. Dazu kommt der Rückgang der Seegraswiesen: Verschmutzung und Ausbaggerungen für den Schiffsverkehr trüben das Wasser und verringerten das Wasserpflanzenwachstum – fast die Hälfte der Tiere war verhungert.
Gleichzeitig leiden auch die Seegräser ohne Seekühe: Sie verbreiten sich zwar meist durch Ableger und Sprossen, bilden aber auch Samen. Am Great Barrier Reef stellten Wissenschaftler fest, dass Seegras-Samen, die den Verdauungstrakt von Dugongs durchlaufen haben, bis zu 60 Prozent schneller und häufiger keimen. Seekühe sind dahingehend Ökosystemingenieure, die Seegraswiesen formen und erhalten.
Manati
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