Die Erderwärmung sorgt nicht überall für das Abschmelzen von Eis wie in den Alpen oder an den Polkappen. In den Southern Alps auf Neuseeland rücken die Gletscher sogar deutlich vor. Das hat Stefan Winkler von der Universität Würzburg herausgefunden. Der Geograph hatte die Gletscherfronten des küstennahen Gebirges untersucht und vermessen. Er entdeckte, dass der bekannte Franz-Josef-Glacier in den vergangenen zwölf Monaten um 84 Meter angewachsen war, der benachbarte Fox-Glacier sogar um 89 Meter.
Diese Entwicklung ist für Winkler kein Paradoxon. „Die meisten Klimaprognosen”, sagt er, „gehen bei steigenden globalen Temperaturen von einer Zunahme der Niederschläge in küstennahen Bereichen aus, ausgelöst durch die stärkere Verdunstung. In den Southern Alps waren die Niederschlagsmengen in den vergangenen Jahren extrem hoch und gingen auch im Sommer sehr häufig als Schnee nieder. Diese Schneemengen sind für das Wachstum der Gletscher verantwortlich.”
Das zeigt laut Winkler, dass es kein globales Verhalten der Gletscher gibt. Ganz im Gegenteil: Die immer wieder als Klima-Indikatoren bezeichneten Eisströme reagieren vielmehr sehr unterschiedlich auf Klimaveränderungen.





