Die Treibhausgas-Werte der Atmosphäre steigen, Luft und Meere werden wärmer und schon jetzt nehmen Extremereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Starkregen zu. Das aber nimmt nicht nur vielen Menschen ihre Heimat und Nahrungsgrundlagen, auch die Gesundheit wird dadurch beeinträchtigt. Wie stark dies der Fall ist und was getan werden kann und muss, hat nun eine neugegründete Kommission aus europäischen und chinesischen Forschern untersucht.
Dramatischer Rückschritt
“Keine Region ist immun: Der Klimawandel wird die Natur, die wirtschaftlichen Aktivitäten und die menschliche Gesundheit und das Wohlergehen in jedem Teil der Erde beeinträchtigen”, konstatieren die Forscher. “Nach nur 0,85 Grad der Erwärmung sind viele der erwarteten Bedrohungen bereits Wirklichkeit geworden.” Extremereignisse wie Hitze, Dürren, Überschwemmungen oder Stürme haben einerseits direkte Folgen wie Tote, Verletzte und Kranke. Indirekte Effekte kommen dazu, beispielsweise die Ausbreitung von Seuchen, Mangelernährung, psychische Erkrankungen und eine mangelnde medizinische Versorgung aufgrund des Zusammenbruchs von Infrastrukturen.
Das alles ist zwar in der Theorie nicht neu. Doch die Dimension dieser Klimafolgen könnte das übertreffen, was die meisten erwarten oder befürchten, warnen die Wissenschaftler. “Der Klimawandel hat das Potenzial, die medizinischen Fortschritte umzukehren, die wir in den letzten Jahrzehnten durch die wirtschaftliche Entwicklung erreicht haben”, sagt Anthony Costello vom University College London (UCL).
“Ein medizinischer Notfall”
Bereits 2014 schätzte die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass zwischen 2030 und 2050 pro Jahr 250.000 Menschen mehr durch klimabedingte Ursachen sterben werden als bisher. Doch in dieser Rechnung seien die Einflüsse der sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen auf die Gesundheit noch nicht eingerechnet, so die Forscher. Ernteeinbußen, aber auch Landflucht und Migration verstärken die medizinischen Probleme noch sehr viel mehr.
“Der Klimawandel ist ein medizinischer Notfall”, warnt Hugh Montgomery vom Institute for Human Health and Performance des UCL. “Unter solchen Bedingungen würde kein Arzt eine Reihe von jährlichen Fallbesprechungen und unverbindliche Vorsätze als ausreichend erachten – doch genau das ist bisher die globale Reaktion auf den Klimawandel.”
Klimaschutz als doppelte Chance
Doch bei diesen düsteren Prognosen belassen es die Wissenschaftler nicht. Stattdessen listen sie zehn konkrete Maßnahmen auf, die die schweren Rückschritte in der globalen Gesundheit verhindern könnten. Denn wie sie betonen, ist der Klimaschutz auch eine der größten Chancen für die globale Gesundheit in diesem Jahrhundert – und noch dazu eine, die in diesem Bereich nur Vorteile bringt.





