Für Ihren Verein gibt es viel zu tun. 15 Millionen Menschen reisen jährlich zum Skifahren in die Alpen. Es gibt 666 Skigebiete, 11 000 Seilbahnen und Sessellifte sowie 40 000 Kilometer Piste, von denen laut Deutschem Skiverband etwa die Hälfte mit Schnee-kanonen beschneit werden. Wo fangen Sie an?
Mit Aufklärung. Jeder soll dann selbst entscheiden. Anfang des Jahres haben wir unsere Ride Greener Days veranstaltet: Manche Besucher waren schon von den einfachsten Tipps und Modellrechnungen überrascht. Ein Beispiel: Wer mit dem Zug von Zürich nach Davos fährt, verbraucht 25 Mal weniger CO2 als ein Autofahrer. Andere wussten nicht, dass es umweltfreundliches Skiwachs gibt. Jeder sollte vor allem auf sein Material achten: Skier, Bindungen, Schuhe, Rucksäcke, Jacken, Handschuhe. Wir raten, sich beim Kauf am Bluesign-Label zu orientieren, nach diesem Standard arbeitet beispielsweise die Firma Patagonia. Deren Produkte stammen aus einer nachhaltigen Wertstoffkette. Grundsätzlich empfehlen wir Hersteller, die Materialien aus PET, Bio-Baumwolle, Hanf und recycelten Stoffen verwenden. Völkl beispielsweise stellt vorbild-liche Snowboards her. Dabei wird weitgehend auf Kunstharze und Plastik verzichtet. Stattdessen nimmt man Holz und Hanfleinen, das eine erstaunliche Festigkeit hat. So spart die Firma bei jedem Board rund 400 Gramm Kunststoff.
Der Wintertourismus in die Alpen nimmt noch immer zu. Werden deshalb neue Skigebiete notwendig?
Nein, schon jetzt sind viele Gebiete nicht ausgelastet. Wir rechnen damit, dass sich die Zahl der Pisten in den kommenden Jahrzehnten deutlich verringern wird. Denn die Schneegrenze steigt aufgrund des Klimawandels an. Mit jedem Grad Celsius um 150 Meter. Derzeit liegt sie bei 1500 Metern, im Jahr 2050 vermutlich bei 1800 Metern. Dann wird nur noch die Hälfte der heutigen Skigebiete schneesicher sein. Schneekanonen sind keine Lösung. Sie sollten allenfalls eingesetzt werden, wenn bei einer Piste mal an einer bestimmten Stelle zu wenig Schnee liegt. Aber ganze Abfahrten künstlich zu beschneien, ist unsinnig. Die Kanonen verbrauchen schlicht zu viel Wasser und Energie. Natürlich sind auch Skihallen keine Zukunftslösung. Deren Ökobilanz ist miserabel, und die Menschen bewegen sich dort in einer Scheinwelt.
In den USA und in Kanada ist das sogenannte Heliskiing populär: Skifahrer und Snowboarder lassen sich im Helikopter auf einen Berg fliegen, um dann durch unberührten Tiefschnee ins Tal zu fahren. Halten Sie es für möglich, dass sich das auch in den Alpen etabliert?
Wir hoffen nicht. Es ist eine egoistische Art des Skifahrens und Snowboardings. Zumal Hubschrauber unsäglich viel Sprit verbrauchen und CO2 ausstoßen. Wer unbedingt auf einen Berg will, sollte sich nicht vor den Strapazen des Aufstiegs fürchten oder wenigstens die Seilbahn nehmen.





