Dass sich mit dem Klimawandel nicht nur die Luft, sondern auch die Meere erwärmen, ist nichts Neues. Doch neben diesem schleichenden Temperaturanstieg gibt es noch einen weiteren Klimaeffekt: die Zunahme der Extreme. “In einem sich erwärmenden Klima sind einige der dramatischsten Ökosystem-Veränderungen mit extremen Hitzewellen verbunden”, erklären Eric Oliver von der Dalhousie University im kanadischen Halifax und seine Kollegen. Erlebt der Ozean plötzliche Wärmeschübe, dann kann dies zum Absterben von Korallen und Seetang führen, Fische aus ihren angestammten Lebensräumen vertreiben und im Extremfall ganze Populationen ausrotten. Besonders gravierende Beispiele solcher marinen Hitzewellen ereigneten sich unter anderem 2003 im nördlichen Mittelmeer, 2012 im Nordwest Atlantik oder vor Australien im Jahr 2015/2016. “Bei diesen Ereignissen kam es zu substanziellen ökologischen und ökonomischen Folgen, darunter einem Massensterben von wirbellosen Tieren, Veränderungen von Nahrungsnetzen und Ausfällen in der Fischerei”, so die Forscher.
54 Prozent mehr Hitzetage im Meer
Ob solche marinen Hitzewellen im Zuge des Klimawandels häufiger und intensiver geworden sind, haben Oliver und seine Kollegen nun untersucht. Für ihre Studie werteten sie Daten zu Meerestemperaturen aus Satellitenmessungen und von vor Ort-Messstationen aus der Zeit von 1925 bis 2016 aus. “Diese Daten nutzten wir, um globale Muster der Veränderung bei marinen Hitzewellen in den letzten rund 100 Jahren zu ermitteln”, so die Wissenschaftler. Mithilfe eines Klima-Ozeanmodells rekonstruierten sie dann, welchen Einfluss natürliche Klimaschwankungen wie der El Nino und die Atlantische Meridionale Zirkulation oder aber der Klimawandel auf diese Trends hat.
Es zeigte sich: Marine Hitzewellen haben sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Dauer zugenommen. “Von 1925 bis 2016 hat sich die Frequenz der marinen Hitzewellen global um 34 Prozent erhöht, die Dauer stieg und 17 Prozent “, berichten Oliver und seine Kollegen. “Insgesamt hat dadurch die Zahl der Hitzewellen-Tage in den Weltmeeren um 54 Prozent zugenommen.” Ein Großteil dieser Veränderungen war in den letzten Dekaden besonders ausgeprägt. Das spreche dafür, dass sich dieser Trend immer weiter beschleunige, so die Forscher. So hat sich die Frequenz der marinen Hitzewellen allein in der Zeit von 200 bis 2016 um 82 Prozent gegenüber der Zeit von 19982 bis 1998 erhöht, wie sie berichten.
Ein Drittel Natur, zwei Drittel Klimawandel
Den größten Zuwachs bei den marinen Hitzewellen gab es nach Angaben der Forscher im Nordatlantik mit zwei bis sechs Ereignissen pro Jahr mehr als zuvor. Bei der Intensität der Hitzewellen gab es ebenfalls deutliche regionale Unterschiede: Besonders stark nahm die Stärke der Hitzewellen in den Westteilen der großen Meere zu. Dort, wo starke Strömungen warmes, tropisches Meerwasser entlang der Küsten polwärts transportieren, erwärmt sich das Meerwasser bei solchen Hitzeextremen zwei bis fünf Grad mehr als früher, wie Oliver und seine Kollegen feststellten. Etwas schwächer ist der Trend in den östlichen Randbereichen der Meere, hier stiegen die Maximalwerte nur um ein bis drei Grad.





