Das Zusammenwirken von individuellen Charaktermerkmalen und den Anforderungen eines Jobs können manche Menschen anfälliger für Krankheiten machen. Wie John Schaubroeck von der Drexel University und seine Kollegen James R. Jones und Jia Lin Xie aus Omaha und Toronto feststellten, steigt der Krankensstand, wenn Menschen in leitenden Stellen Vollmachten und Verantwortung, aber nur wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben. Empfindlicher sind auch jene, die sich Misserfolge zu sehr zu Herzen nehmen und persönlich verantwortlich für alle Fehler fühlen. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung haben die Forscher im Journal of Applied Psychology veröffentlicht.
Bei Interviews mit 217 Probanden in leitenden Positionen und einer Untersuchung ihres Immunglobulin-A-Spiegels im Speichel und den Atemwegen wurden Zusammenhänge zwischen einer Häufung von infektionsbedingten Erkrankungen wie Halsentzündung, Husten und Grippe und einem Mangel an Selbstvertrauen und ausgeprägten Schuldgefühlen bei den betreffenden Personen deutlich.
Diese individuellen Charaktermerkmale, so erklären die Wissenschaftler, führen zu größerem arbeitsbedingten Stress. In der Folge nimmt die Fähigkeit des Körpers ab, sich vor Infektionen zu schützen. Jene Versuchsteilnehmer, die weniger Zweifel an ihren Fähigkeiten hatten und die Misserfolge in der Arbeit nicht als persönliches Versagen werteten, wiesen eine höhere Konzentration des Immunglobulins A auf und erkrankten dementsprechend seltener an Infektionen.
Schaubroeck erläuterte, dass es eine verbreitete Meinung sei, weitreichende Vollmachten und Leitungsfunktionen machten den Stress am Arbeitsplatz leichter erträglich. Diese von ihm geleitete Studie und ähnliche Untersuchungen in Bezug auf Blutdruck, psychische Probleme und krankheitsbedingte Abwesenheit zeigten vielmehr, dass der individuell erlebte Stress vor allem davon abhängt, ob sich die Betroffenen ihren Aufgaben gewachsen sehen und wie sie Misserfolge bewerten.
Marion Herzog





